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Im deutschen Reich · 1918-11-01 · Heft 11 (November 1918) · p. 426

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 11 (November 1918)
Article
Umwälzung und Kriegsende
Date
1918-11-01
Page
426 (sequence 10)
Language
German
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426 Im deutschen Reich legerrsten Kräften und Mitteln cmgestreNe Durchbruch der Feinde verhindert werden — trotz Wirrnissen im Innern und Auslösung der Disziplin. Hindenburg steht nun einsam auf Trümmern Zerbrochener Hoffnungen, auf den Trümmern seiner ungewöhnlichen und an Erfolgen reichen Arbeit. Fast wollten mir die Tränen in die Augen steigen, als ich seinen geradezu klassischen Erlaß an die d e u t f ch e A r m e e (vom 12. November, nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes) las. Auch für den schnellen Rückmarsch in die Heimat verlangt er von den Soldaten Selbstbeherrschung und treueste Pflichterfüllung, und er schließt seine 'letzte Kundgebung vom Kriegsschauplatz mit den männlich einfachen Worten: „Im Kampfe habt ihr Euren Generalfeldmarschall niemals im Stich gelassen. Ich vertraue auch jetzt auf Euch." ' — Ein Vorbild von sich bescheidender Größe, ein Pflichtsymbol! Eine Brücke Zwischen Altem und Neuem. * Auch die bürgerlichen Parteien haben sich, ebenso wie fast alle Berufe und Verbände, der neuen Regierung zur Verfügung gestellt, weil es in erster Lime notwendig ist, die infolge des Krieges schwacher arbeitende Staatsmnschlnerre aufrechtzuerhalten, die öffentliche Sicherheit, Leben und Eigentum Zu gewährleisten, die NahrnngsmiNelversorguna zu sichern. Wer die Geschichte des französischen Umsturzes von 1789 kennt, wer sich in Carlyles unsterbliche Geschichte der französischen Revolution vertieft, ahnt die Gefahren, die Deutschland drohen. Möge unseren Girondisten nicht der „Berg" folgen. Die französische Revolution watete tief durch Bürgerblut, beschmutzte sich mit Grausamkeiten und mündete schließlich in die Militärdiktatur eines Napoleon, der die Welt in die Schrecknisse des Krieges stürzte. Es gibt unter unseren Revolutionären Elemente, die am liebsten das Bürgerturn ausrotten oder mindestens rechtlos machen möchten, wie in der französischen Revolution den Adel. Die Forderung aller wahrhaften Demokraten ist darum: Keine einseitige Diktatur! Das neugebildete republikanische Kabinett, das aus je drei Vertretern der Sozialdemokratie und der Unabhängigen bestahl, ist noch nicht das Volk. Die Arbeiter- und Soldatenräte stellen nur ein Segment aus dem Kreise der deutschen Bevölkerung dar. Es fehlen auch noch die Millionen der Frontsoldaten, die bis zum letzten Gewehrschuß Heldenhaftes im Handeln und Erleiden geleistet haben! Darum müssen sobald als mögljich die Wahlen Zur NatisuQl- ÄersamMlung ausgeschrieben werden, die als wirkliche Vertreterin des gesamten Volkes über die endgültige Verfassung beschließt. Arbeiter- und Soldatenräte sind zwar nach russischem Vorbild geschaffen, weiter aber darf die Nachahmung nicht gehen. In Rußland verschob man die Wahlen zur Konstituante, und als sie schließlich vollzogen werden mußten, und die Zusammensetzung der neuen gesetzgebenden Versammlung nicht dem Wunsche der „provisorischen Regierung" entsprach, wurde sie mit Kanonen auseinandergejagt. Eine wahre Demokratie wird und mutz Freiheit brin-

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