Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 11 (November 1918)
- Article
- Umwälzung und Kriegsende
- Date
- 1918-11-01
- Page
- 427 (sequence 11)
- Language
- German
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Die KunL^öung be§ Centralvereins 427 'gen, keine Vergewaltigung! Sonst tauscht Deutschland eine Privilegiertenherrschaft gegen eine fürchterliche Gewaltherrschaft aus. Der Central verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens rüstet sich bereits für diese Wahlen. Jüder Jude muß auf dem Platze sein, damit in die Nationalversammlung Vertreter entsendet werden, welche die im Programm der neuen Regierung verheißene Freiheit des GLaubensbekenntnisses und die wirkliche Gleichberechtigung sichern wollen. Mr Centralverein hat bereits einen Wahlausschuß gebildet und fordert alle, die ihm Helsen wallen, auf, sich an ihre Ortsgruppe zu wenden. I. Sch. Abgeschlossen am 13. November 1913. Die KsrrrdgeSrrrrg des CerrLralvereirrs ln der Berliner Philharmonie am 2. NsmmöLr 1918. Vorsitzender, Geh. Juftizrat Dr. Eugen Fuchs: Als wir heute vor acht Monaten hier in diesem Saal unser 25 jähriges Stiftungsfest feierten, haben wir, trotz sturmöedrängter Zeit, geglaubt, den Tag festlich begehen zu dürfen, weil wir ein Bekenntnis abregen wollten, das den Grundsätzen entspricht, aus denen der Verein ausgebaut ist. Treue zum Vaterland und Treue zur Glaube n s g e m e L n s ch a f t ist, so sagte ich damals, unser Losung-, unser Bannerwort. Ich schloß mit dem Fichteschen Wort, daß die Morgenröte einer neuen Welt angebrochen sei, schon die Spitzen der Berge umgolde und den Tag Vorbilds, der da kommen sollte. Der Tag ist anders gekommen als wir gexjofft und gewünscht hatten. Aus dem Himmel der Siegeshoffnung sind wir über Nacht jäh herausgerissen, und für unser Vaterland sind Tage so düster und unheilschwer angebrochen, daß die Herzen sich zufammenkrampsen und nach Befreiung aus schwerer Umklammerung ringen. Wir haben das Bedürfnis empfunden, uns heute wieder zu versammeln, um durch Zusammensein und Aussprache uns zu erheben. Wir wollen uns erhoben, nicht klagen. Denn wenn es etwas Gewaltiges gibt, das größer als das Schicksal ist, so ist es der Mut, der es unerschütterlich tragt. Wir haben gelernt, zu leiden und zu ertragen. Israel ist, wie keine zweite Bekennergemeinschaft, durch die Schule der Leiden gegangen, durch ein Meer von Blut und Tranen; aber die Tragödie seiner Geschichte konnte nicht, um die Worte unseres verewigten Freundes Werner zü gebrauchen, seinen Optimismus verdrängen; denn immer wußte es, daß jedes Verhängnis seine Gnade hat. Aus dem Boden unseres Glaubens wollen wir über den Schmerz uns erheben, und zwar getreu der Mahnung Fichtes an die deutsche Nation durch klare Einsicht in unsere Lage, in unsere noch übriggeöliebene Kraft, in die Mittel unserer Rettung. Unsere Rettung kann nicht liegen in der Vertröstung auf Hilfe, die von außen her kommt, sondern in der Kraft des Gemütes; denn „nicht die Gewalt der Arme noch die Tüchtigkeit der Waffen, sondern die Kraft des Gemütes ist es, die Siege erkämpft". Wie schon einmal sittliche Kräfte dem zusammengebrochenen Staat zur Neugeburt verhalten, so können es auch jetzt nur sittliche Kräfte sein, nur die befreiende Macht ds Geistes. Wir wollen nicht klagen, aber auch nicht a n! l a g e n. Wir wollen nicht fragen, w e'r schuld ist, daß so unermeßliches Leid über unser Vaterland gekommen ist. Wenn Voll sein heißt, eine gemeinsame Not empfinden, so wollen wir sie g e m e i n j a m und einig tragen und nicht fragen,