Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 11 (November 1918)
- Article
- Umwälzung und Kriegsende
- Date
- 1918-11-01
- Page
- 425 (sequence 9)
- Language
- German
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Umwälzung und Kriegsende 425 Der Krieg ist zu Ende. Am Revolutionssormkrg, am 16. November^ wurden die ungeheuerlichen Waffenstillstandsbedmgungen bekannt. Die Regierung der deuffchen Republik mußte sie annehmen. Am 11. November mittags fiel der letzte Schutz. Wir alle haben d-as Aufhören des Blutvergießens mit ständig wachsender Sehnsucht erfleht, und nun vermochten wir uns Wer den nahenden Frieden nicht zu freuen. Die Waffenstillstandsbedingungen sind derart, daß sich das Herz auch der rötesten Republikaner zusanrmenzieht. Darum die unermeßlichen Opfer cm Menschenleben, Gesundheit, Kultur- und Vermögenswerten, um trotz glänzendsten Siegen, trotz heroischen Entbehrungen und unerschütterlichem Standhalten am Ende ein Zusammenbrüchen aller Hoffnungen auf ein unversehrtes Äeulsches Reich zu erleben und ein Joch aus den Nacken zu bekommen, das uns vielleicht Jahrzehnte noch drücken wird? Die WafferlstiMandshedingungen, die unmittelbar darauf, in der Erkenntnis, daß sie zum Teil undurchführbar sind, von den Alliierten ein wenig gemildert wunden, bedeuten nicht nur Wehrlosmachung von Heer, Marine und unseres schönen deutschen Landes, sie bedeuten auch Hungersnot, Verelendung, Chaos in der Demobilisierung. Die Aussicht auf einen Rechts frieden, wie man .ihn nach den verschiedenen Programmreden Wilsons trotz Ententedrohungen immer noch erhoffte, ist geschwunden. Der Völkerbund Dird wie früher eine Utopie bleiben oder eine Karikatur werden, es sei denn, daß dve umwälzende Bewegung den ganzen zivilisierten Erdball ergreift und eine wirkliche Verbrüderung aller Menschen und Länder erzwingt. Die Hoffnung darauf ist nicht groß, aber immerhin eine Hoffnung. * Kaiser K a rl hat ebenfalls aögsdankt. Deutschösterreich ist Republik geworden und wünscht Anschluß cm die deutsche Republik. Auch die vielen Throne und Thrönlem der deutschen Fürsten werden mit rotem Tuch verdeckt. Exkaiser Wilhelm und der frühere Kronprinz haben die Gastfreundschaft der Niederlande rmchgssucht. In der Erscheinungen Flucht gibt es einen ruhenden Pol: Hindsnbnrg. Wer kann ermessen, mit welchem Schrnerz er von fehlem kaiserlichen Herrn Abschied nahm, mit welchem Schmerz er das Kaiserreich und das alte Preußen zusammenftürzen fahr Was ihm, dem alten General, heilig war, sah er beiseite geworfen. Doch er stellte sich nicht verbittert und schmollend beiseite. Die Liebe zum Volk, zum Volksheer, sein Pflichtgefühl waren größer. In diesen schwersten Tagen Deutschlands zögerte er nicht, der Ümsturzregierung seinen konservativen Arm zur Verfügung zu stellen, um das Schlimmste an der Front und in der erzwungen überhasteten Zurücktransportierung der Soldaten zu verhüten. Ein Pflichtmensch, ein Mann von wahrhafter Größe und Würde und Bescheidenheit! - Er war jahrelang der populärste Mann Deutschlands. Jetzt ist die Liebe zu ihm vertr-eft. Bis zum letzten Tage konnte unter seiner Leitung die Front gehalten und der mit über-