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Im deutschen Reich · 1918-11-01 · Heft 11 (November 1918) · p. 422

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 11 (November 1918)
Article
Umwälzung und Kriegsende
Date
1918-11-01
Page
422 (sequence 6)
Language
German
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422 Jnr deutschen Reich den und kümmerten sich um die Zahlreichen Dekrete des jugendlichen Karl nicht. Auch in Ungarn brach eine revolutionäre Bewegung aus. Die von König Karl eingesetzten Minister wurden weggesegt, Graf Karolyi trat an die Spitze einer Volksrepublik. Die Kronen Kaiser Karts rollten auf die Erde. Aus der Türkei hörte man iweniger. Ein altersschwacher Staat lag im Sterben. Die heroischen Belebungsversuche durch die Jungtürken waren gescheitert, das itsbenerstickenide Wort „Kismet" schleicht wieder durch die schönen Lande, die wehrlos dem Gegner zu Füßen liegen. Deutschland saß nun isoliert, ringsum von brandenden Wogen umdroht, und wartete und wartete auf die W a f se nst i l l st an ds - Bedingungen, die noch immer nicht eintreffen wollten. Oestervetch-Ungarn und die Türkei hatten sie erhalten. Es waren furchtbare Bedingungen, die ein Herzloser, unerbittlicher Feind diktierte zu dem Zweck, den Gegner vollständig geknebelt in der Hand zu haben, um ihm hinterdrein jeden beliebigen Frieden austr legen zu können. Von Zynischem Hohn ist z. B. das Verlangen der Ausliefentng sämtlicher Kriegsgefangenen ohne Gegenseitigkeit. * Während man in Deutschland mit angstvoller Ahnung auf den Bescheid Wilsons und der Alliierten wartete, ging im Lande selbst eine revolutionäre Veränderung vor sich, die plötzlich so stark wurde, daß sie die Ereignisse an der Front und selbst die am ll.November eintreffende Mitteilung Wilsons, daß Marschall Foch ermächtigt sei, beglaubigte Vertreter Deutschlands zu empfangen und ihnen die Waffenstillstandsbedingungen zu übermitteln, in den Hintergrund treten ließ. Um die Abdankung des Kaisers war in der Presse seit, einigen Tagen diskutiert worden. Biele vertraten die Ansicht, daß der Feind uns günstigere Bedingungen zugestehen würde, wenn Kaiser Wilhelm zurückträte. Zwar ließen die unerhörten Bedingungen für Oesterreich und die Türkei die wahren Absichten der Gegner erkennen, zwar war dem Kaiser die Kommandogewalt bereits ab genommen, Lu?de7^dorff entfernt worden, die Regierung des Prinzen Max von Baden durch entsprechende Verfassungsänderungen als Volksregierung fest verankert; dennoch interpretierten viele die absichtlich unklaren Wendungen des Präsidenten Wilson dahin, daß wir erträglichere Friedens-Bedingungen erhalten würden, wenn Kaiser Wilhelm als Privatmann ins Dunkel träte. Die Mehrheit der Reichstagsparteien war anderer Ansicht. Sie wehrte sich auch gegen eine unstatthafte Einmischung Fremder in unsere inneren Verhältnisse. Außer den Konservativen traten auch das Zentrum, die Nationalliberalen und die Fortschrittler für den Kaiser ein. Da stellte der Parteivorstand und die Reichstagsfraktion der Sozialdemokratie am 7. November plötzlich ein Ultimatum: wenn der Kaiser bis Zum 8. November mittags nicht abdankt, treten die Sozialdemokraten aus der Regierung aus. Dieses Ultimatum wirkte mit der Wucht starker Ueberraschung. Man mag Zu der Forderung der Abdankung des Kaisers stehen wie man will — hier stellte die Sozialdemokratie die Mehrheit der Regierung des Prinzen Max

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