Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 11 (November 1918)
- Article
- Umwälzung und Kriegsende
- Date
- 1918-11-01
- Page
- 423 (sequence 7)
- Language
- German
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Umwälzung u-ttb Kriegserrde 428 VON Baden vor ein Entweder—Ober. Richtiger: nur vor ein Entweder: denn die bürgerlichen Parteien der Bolksregiernng wurden in eine unentrinnbare Zwangslage gepreßt. Ohne die Sozialdemokratie war die Regierung nicht mehr die Vertreterin der Mehrheit des Voltes; ihr fehlten die Konservativen, die Freikons-ervativen, die große Sozialdemokratie, ihr fehlten auch die Unabhängigen SoziatdMokraren. ferner die Polen und Dänen. Sie wäre ohne die Sozialdemokratie ein hilfloser Rumpf geworden. Die Beratungen des interfraktionellen Ausschusses ergaben als Resultat, daß, wenn die Sozialdemokratie fest bliebe, der Kaiser von den bürgerlichen Parteien nicht mehr zu halten sei. Als der Kaiser am 8. November mittags noch keine Entscheidung getroffen hatte, verlängerte die in jenen Tagen sehr schwankende Sozialdemokratie die Frist des Ultimatums bis zum Abschluß der Wasfenstillstandsverhandlungen. An diesem Tage waren nämlich die Delegierten nach der französischen Front zu General Foch ab-aere'ist. Prinz Max von Baden ersuchte um seine Entlassung. Der Kaiser bat ihn, im Amt zu bleiben, bis er seine Entschlüsse gefaßt habe, die in kürzester Frist zu erwarten seien. . Am Mittag des 9. November 1918 traf die Mitteilung in Berlin ein, daß der Kaiser sich zur A b d a n f n rt g en tschlossen habe. Prinz Max von Beiden wollte die Geschäfte so lange weiterführen, bis die wit der Abdankung, dem Thronverzicht des Kronprinzen und der Einsetzung der Regentschaft verbundenen Fragen geregelt seien. «Dann wollte er den sozialdemokratischen Führer Eberl als Reichskanzler Vorschlägen, und unverzüglich sollten dann Wahlen für elfte verfassunggebende deutsche Nationalversammlung ausgeschrieben werden, die die künftige Staatsform des deutschen Bottes einschließlich der Volksteile, die ihren Eintritt in die Reichsgrenzen wünschen sollten, endgültig feststelle. Noch an demselben 9. November — so wild überstürzten sich die ungeheuerlichsten Ereignisse — war der Gedanke der Regentschaft überholt und niedergeritten. Das Schwanken und Drängen der Sozialdemokratie hatte seinen Grund in einer revolutionären Bewegung, die zunächst an die russische erinnerte; die SozialbemofrQrie fürchtete, den Anschluß zu versäumen. Sie selbst stand gewissermaßen unter einer Pression, die indirekt von ihren bisherigen schärfsten -Gegnern, den Unabhängigen Sozialdemokraten und der Spartakusgruppe, ausging. In Kiel war eine aufständische Bewegung ausgebrochen, deren Träger Matrosen, Angehörige jener Marine waren, die ein Liebling des deutschen Volkes geworden war. Wan wollte den Gerüchten, die zunächst nur von Mund zu Mund gingen, weil die Zensur den Zeitungen ihre Wiedergabe verbot, nicht glauben: Matrosen haben gemeutert, Offiziere entwaffnet, sich der öffentlichen Gebäude, des Telegraphen, der Funkenstatton, der Kriegsschiffe bemächtigt! Ein Arbeiter- und Soldatenrat sei eingesetzt, der die .öffentliche Gewalt ausübe. — Zu jeder anderen Zeit wäre man mit Flinten und Maschinengewehren gegen die Meuterer vorge-