Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 11 (November 1918)
- Article
- Das jüdische Problem
- Date
- 1918-01-01
- Page
- None (sequence 2)
- Language
- German
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ErMich wird für JviSLn hss O st e n §, tm sie irr großen Massen leben, -die nationale Antorwmre verlangt, und die nationale Autonomie sollen auch jeneJuden erhalten, die zwar in geringer Anzahl in einem Staate lebe::, vorausgesetzt, daß sie Autonomie, die natürlich auch auf das politische Gebiet erstreckt ist, verlangen. Die Millionen Juden des Ostens werden vor allem über das, was sie wollen und nicht wollen, selbst Zu entscheiden haben. Mer auf zwei Gefahren muß hin-gewiesen werden, die eine jüdisch-nationale Autonomie in diesen Gebieten jedenfalls im Gefolge haben würde. Eine solche Autonomie ist überaus kostspielig, und zwar sowohl in intellektueller als in finanzieller Beziehung. Ich kenne die Gebiete des Ostens, und es ist mir außerordentlich zweifelhaft, ob die dortigen Juden für eine durchgeführte Autonomie, das heißt für einen Staat im Staate, heute schon die intellektuellen Kräfte überall aufbringen können. Als es sich darum handelte, in einer einzelnen Stadt das Schulwerk' wesent-. dich zu erweitern, war man genötigt, die jüdischen Lehrkräfte aus einem anderen Staatsgebiet heriiberkommen zu lassen, und die meist in tiefster Armut lebenden jüdischen Gemeinden werden auch nicht in der Loge sein, sich die erforderlichen finanziellen Opfer aufzuerlegen. Weit schwerer aber fällt ins Gewicht, daß diese völlige Absonderung der Juden, diese Bildung eines Staates im Staate, bei der jetzigen allgemeinen Ueberreizung nationaler Leidenschaften, die Pogromg e f a h r in verhängnisvollster Weise steigern würde, und Pogrome finden bereits überall in Rußland und in den früheren russischen Randstaaten statt. Auf diese AusführuNgLN hat der Zionistenführer Prof. Otto Marburg in der Wichen Zeituwg 'vom 23. November u. a. folgend es geantworMt? \,£>ie Erfahrungen des Weltkrieges haben die deutsche Oefsentlichkeit belehrt, daß die Juden mehr als eine Religionsgemeinschaft, daß sie ein Volk sind. Das jüdische Volk zählt gegenwärtig etwa vierzehn Millionen. Im ganzen Osten ist die große Mehrheit der jüdischen Bevölkerung national gesinnt, was sich überall gezeigt hat, wo demokratische Wahlen veraltete Notabelnvertretungen ersetzt haben." Der Verfasser weist auf Rußland, die Ukraine und Polen hin. .„Eine gleiche Entwicklung vollzieht sich jetzt auch in Deutsch-Oesterreich, in Ungarn und im tschecho-slowakischen Staat. Daß das amerikanische Judentum zur Vertretung der national-jüdischen Forderungen bereit ist, ist ebenfalls in Deutschland bekannt. Der Führer der amerikanischen Zionisten, dessen Tatkraft die jüdisch-nationale Kongreßbewegung ihre politische Bedeutung verdankt, ist Bundesoberrichter Louis D. B r a n d e i s, der als einer der Begleiter Wilsons zur Friedenskonferenz kommen soll und mit der Behandlung der dort zur Erörterung gelangenden Probleme des europäischen Ostens und des nahen Orients betraut worden ist. Die sinnfälligste Anerkennung der nationaljüdischen Forderungen liegt jedoch in der Stellungnahme E n g l a n d s, das sich offiziell verpflichtet hat, mit allen Kräften für die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu sorgen. Der englischen Regierungserklärung haben sich Frankreich, Italien und Amerika armeschlossen. So kann das jüdische Volk dank der von der zionistischen Organisation geleisteten Arbeit mit Recht erwarten, daß die Erfüllung seiner Hauptforderung nahe bevorsteht. Die zionistische Organisation ist sich natürlich durchaus bewußt, daß die von der Friedenskonferenz geschaffenen (soll wohl heißen: zu schaffenden. D. Red.) politischen Voraussetzungen nicht ausreichen, um die jüdische Heimstätte zu errichten. Dies wird die hohe und f ch tu t e r i g c A ufga b e des jüdischen Volkes selbst sein, welches aus eigener Kraft sein Heim sich bereiten soll, wo es wieder