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Im deutschen Reich · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · p. 398

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Article
Das Synagogen-Sofa von Kuttenplan
Date
1918-10-01
Page
398 (sequence 3)
Language
German
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Im deutschen Reich Bauernhütte und Geschäftshaus, in -den breiten Torwegen der Gastwirtschafterr gibt Mttenplan das Bild eines alten Marktfleckens, eines aus dem Dorf zum Städtchen sich umgestalteuden Ortes, der noch freundliche / Züge der beiden Gattungen vereint. Dorfschöne in bunten Egerlandertrachten stolzieren in breiten Reihen die Straßen entlang an dem Sonntag, an dem wir Kuttenplan aufsuchen. Auf einem freien Platze entwickelt sich ein ' rechter Jahrmarktstrubel mit gellender Karusselmnsik, rings Kirmestreiben in den Gasthäusern und auf den freien Plätzen. Wir aber biegen links vom tzauptweg in eine Seitengasse ein, die uns in gelinder Erhöhung zum äußerlich schlich ten, sauberen Shnagogenhause führt. Eine freundliche Frau' öffnet die schwere, knarrende Tür, und wir befinden uns im merkwürdigsten Tempelsaale. Eine Decke in maurischen Ornamenten wölbt sich über der geräumigen Halle, in der die Bänke und braunen Betpulte sich aneinanderreihen. Der reich geschmückte Almemor aus der Ostseite, nach der alle Beter, wie herkömmlich, ihr Antlitz kehren, umschließt auch die vom goldgestickten Vorhang verhüllte Lade mit dem Tempelschatze, den Pergament-Thorarollen in ihren silberdurchwirkten Hüllen, ihrem kunstvollen Behang. Da ist die Thorakrone, der funkelnde Schild, die „Jad", die schlanke Silberhand, die beim Borlesen der Wochenabschnitte, von der Hand des Vorbeters geführt, über die Zierlich geschriebenen Zeilen gleitet. Die künstlichen Blumen, die sich um Altar und Säulen winden, sind das Geschenk eines Kuttenplaner Kindes, das fern im Ausland, in der fremden Weltstadt des winzigen böhmischen Heimatsörtchens in - Sehnsucht gedenkt. Neben dem Almemor der gesonderte, der Gemeinde zu gewandte Ehrensitz des Rabbiners und gleich daneben, durch eine Umhüllung von buntem Zeug geschont, das wunderlich fremdartige, zu einer Tempelhalle so wenig stimmende und doch hier so beweglich stimmende Möbel — das uralte D a m a st - Sof a. Ueber dem Sofa, an der Wand, aus der die Oessnungen der Frauen-Galerie herniederlugen, hangt in schlichter Umrahmung ein in Kunstschrift ausgesührtes Gedenkblatt, das in hohen Worten Preis und Dank kündet "für „den Wohltäter unserer Gemeinde, den Förderer jeder Verbesserung unb Verschönerung cm Synagoge und Schule, den ©rihtber des „C a j e t an -- S t i p e n d i n m Grafen Cajetan von Berchenheimhausen und dessen Gemahlin, Wilhelm ine, Gründerin der Mädchenschule". Das Damast-Sofa war also der Ehrensitz des Ortsgutsbesitzers, der sich als Schutzpatron der jüdischen Gemeinde gefühlt und eifrig betätigt hat. Wenn die inzwischen aus sehr wenige Familien zusammengeschmOlzene jüdische Gemeinde von Kuttenplan sich heute noch den Luxus eines eigenen Rabbiners und Predigers gestatten kann, so dankt sie das dem erwähnten Cajetan-Stipendium, der Stiftung jenes Grafen von Bercheuheimhausen, aus deren.Zinsen der Rabbiner besoldet wird. Wenn, zu Lebzeiten des gräflichen Ehepaares, der Rabbiner seine Sabbat- oder Festtags-Predigt zu halten hatte, begab er sich wenige Tage vorher in das parkumzogene alte Schloß — die jetzigen- Besitzer von Kuttenplan haben sich ein neues erbaut— um die Gutsherrschaft einzuladen. Gras und Gräfin

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