Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Eindrücke und Erlebnisse in Rumänien
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 391 (sequence 8)
- Language
- German
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Eindrücke und Erlebnisse in Rumänien 891 Vor wenigen Jahren hat man in Bukarest den Versuch gemacht, jedem einzelnen Haushaltungsvorstand eine im Durchschnitt recht bescheidene Summe, mitunter nur von einem Franken, als freiwilligen SLeuerbeitrag auferlegen Zu wollen — der Versuch ist gänzlich mißlungen. Auch fetzt werden Sitzungen über Sitzungen abgehackten, alle möglichen Körperschaften beraten über die Art der zukünftigen Gemeindegestaltung, aber zu greifbaren Resultaten ist man noch an keiner Stelle gekommen. Diese bisher negative Arbeit hängt auch damit zusammen, daß man eigentlich nicht weiß, wer für eine Neuordnung der Dinge zuständig ist, und daß sehr viele Organe sich dafür halten, die es bestimmt nicht sind. Unter den Synagogengemeinden in Bukarest sind die hervorragendsten die Tempelgenternbe und die spanische Gemeinde, letztere ist insofern eine Ge-, meinde als die verhältnismäßig wenigen Spaniolen (etwa 4000) sich notgedrungen dieser einen Gemeinde anschließen müssen, so sie überhaupt sich zu einem Anschluß verstehen wallen. Der Tempel aber hat infolge seiner neuzeitlichen Einrichtungen keine Autorität bei der Orthodoxie, die allerdings in der Praxis weit weniger vorhanden ist, als in der Theorie. Die spanische Gemeinde steht naturgemäß für sich allein da. Die vielen anderen kleinen Synagogen und Gemeinden kommen auch nicht in Betracht. Eines aber hält alle gujannncn, das ist die Gewißheit der zu regelnden Judenfrage, und mögen noch so viele Stellen sich für befugt Hallen, hier Endgültiges zu schaffen, ohne überhaupt dazu in der Lage zu sein, so ist doch überall nur der Wille, Gutes zu schaffen, die treibende Kraft. Einige Zahlen mögen hier — für Bukarest wenigstens — eine Vorstellung davon geben, wieviel bei entsprechender Organisation mit entsprechenden Mitteln und gar noch bei Unterstützung durch den Staat für das rumänische Judentum geleistet werden könnte. Es bestehen 84 Synagogen, sogenannte Sekundarschulen, das sind vierklassige Gymnasien, Handelsschulen und Handwerkerschulen 6, Primarschulen, das sind Schulen mit 4 Klassen, 8 für Knaben und 5 für Mädchen, 3 Bibliotheken, 4 Schülerküchen, 2 Gesellschaften zur Unterstützung von Studenten, 17 Vereine der Nächstenliebe, 11 Vereine für wissenschaftliche Zwecke, 6 zionistische Vereine, 36 Kranken- und Leichenvereine, 17 Vereine für philanthropische Zwecke, I Krankenhaus, 3 Ereisenasyle, 1 Verein für Gymnastik, zwei Bnei- B'rith-Logen, 1 Verein für jüdische Geschichte und Literatur, eine Toynby-Halle. An Organisationen mit allgemeinem rumänischjüdischem Charakter, die für das ganze Land Bedeutung haben, sind zu nennen: die Großloae, die Union der einheimischen Juden/die Kulturkommission der Zionisten und die Vereinigung der jüdischen Lehrerschaft. Während des Krieges sind an Organisationen dieser Art entstanden: das Zentralkomitee für die Kriegsopfer, die Hilfsaktion der einheimischen Juden, das Kinderheim für Kriegswaisen und die Hilfskommission der spanischen Gemeinde. Aus all diesen der geistigen Ausbildung und der sozialen Hebung gewidmeten Einrichtungen läßt sich doch erkennen, daß die Verurteilung, die man oft über die rumänischen Juden ausgesprochen hat, zu Unrecht geschehen ist. Wenn die Verhältnisse 'in allen' jüdischer^ Einrichtungen zu wünschen übrig lassen, wenn wir