Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Eindrücke und Erlebnisse in Rumänien
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 390 (sequence 7)
- Language
- German
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390 Jin deutschen Reich oft auf 16 000 Frcs. — und ba nun aber doch die Angehörigen ein „standesgemäßes" Begräbnis wünschen, so sind sie eben einfach genötigt, die hohen Summen zu zahlen, die ihnen jetzt gewissermaßen als nachträglich zu zahlende Gemeindebeträge abgefordert werden. In düs System dieser Einrichtung gehört auch das bei einer Gemeinde Bukarests bestehende Verbot für den Rabbiner, bei Beerdigungen Z. und 4. Klasse mitzuwirken. — Auch bei Trauungen tritt der Unterschied zwischen arm und reich allzu deutlich zu tage. Es gibt auch da wieder Klassen, die sich selbst in der Bekleidung des „Klerus" Aufruf: „Es wird das Jahr stark und scharf hergehen. Aber man maß die Ohren steif halten, und Jeder, der Ehre und Liebe fürs Vaterland hat, muß alles daran setzen." Dieses Wort Friedrichs des Großen müssen mir uns mehr denn je vor Augen halten. Ernst und schwer ist die Zeit, aber weiterkämpsen und wirken müssen wir mit allen Kräften bis zum ehrenvollen Ende. Mit voller Wucht stürmen die Feinde immer aufs neue gegen unsere Front an, doch stets ohne die gewollten Erfolge. Angesichts des unübertrefflichen Heldentums draußen sind aber der Daheimgebliebenen Kriegsleiden und Entbehrungen gering. An alles dies müssen wir denken, wenn jetzt das Vaterland zur 9. Kriegsanleihe ruft. Es geht ums Ganze, um Heimat und Herd, um Sein oder Nichtsein unseres Vaterlandes. . Daher muß jeder Kriegsanleihe zeichnen! — so nennt man hierzulande den Rabbiner, die Vorbeter und die Schächter gemeinsam — unterscheiden. Bei Trauungen erster Klasse erscheint der „Klerus" in weißen Ornaten, bei solchen zweiter Klaffe in schwarzen, bei der dritten und vierten Klasse nimmt schon kein Rabbiner die Trauung mehr vor, sondern ein Vorbeter, vielleicht auch der Synagogendiener, der hierzu vollkommen befugt ist. Das sind Zustände, die nach Aenderung und Besserung geradezu schreien. Sie mußten aber entstehen unter den unerhörten und unnatürlichen Verhältnissen, in denen die rumänischen Juden nun seit so vielen Jahrzehnten zu leben gezwungen waren. Natürlich wäre es gänzlich verfehlt, unsere deutschen Einrichtungen, selbst die besseren" süddeutschen, so ohne weiteres hierher verpflanzen zu wollen. Ich bin persönlich ein Anhänger der Organisation, aber eine solche hier einführen zu wollen, hieße einfach das moldauische Judentum in die doch etwas aufgeklärtere Walachei überführen zu wollen, und dazu dürften wir unsere Hand nicht bieten. Es dürfte überhaupt sehr schwierig sein, selbst eine Gemeindeorganisation hier einzurichten, da der hiesige Jude auch jetzt noch nicht gewillt ist, von Gesetzes wegen der jüdischen Gemeinde eine Steuer zu entrichten.