Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Eindrücke und Erlebnisse in Rumänien
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 392 (sequence 9)
- Language
- German
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In: beut [dien Reich 592 oft jüdischen Jndifferelltismus dort öegegwm, Ivo wir ihn nicht vermuten dürften, urch wenn die Art des rumänischen Juden uns oft nicht Zusagen wich so ist er wahrlich nicht allein verantwortlich zu machen für alle diese ungewöhnlichen Zustände, sondern weit, weit mehr sind es die ewigen Plackereien und Verfolgungen, all die Pöbeloien und Sticheleien, denen er ununterbrochen ausgesetzt war, die ihn zu dem machen mußten, als der er vor der Welt oft erscheint; und dann natürlich dürfe?! die unerhört engen Grenzen nicht übersehen werden, in Leuen er sich überhaupt betätigen konnte, um des Lebens kärgliches Dasein zu fristen. Nur der oberflächliche Betrachter — und bk meisten, die mit Juden in Berührung kommen, fonnen mcr als solche bewertet werden — kommt zu einet Verurteilung des Charakters des rumänischen Juden; wer sich aber der sehr lohuerrden Mühe unterzieht, ihn in seinen vier Wanden aufzusuchen, ihn aus seinen inneren Wer: zu prüfen, der dürste unschwer sestftellen können,' daß auch hier ein guter Kern geblieben ist, und daß von dem Tage an, da der welkenden Blume das Licht der Sonne zugesührt, dar dürstenden Seele die Tore des Wissens weit geöffnet werden, dem nimmermüden Geiste alle Hindernisse auf dem Wege des Schaffens und Wollens aus dem Wege geräumt fein werden, auch im Bojarenlande Israel sich Anerkennung verschaffen und sich als Trägerin jener hohen.Mission bewähren wird, die als erste Bedingung Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit verlangt, und die imstande sein muß, selbst dem materiellen Leben den Ausdruck der Heiligkeit zu verleihen. Wir deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, die wir stolz 'ind auf diese unsere beiden Eigenschaften, hoffen, aus dem rumänischen rechtlosen Juden, dem Fremden in seinem eigenen Vaterlande, bald den rumänischen Staatsbürger jüdischen Glaubens erstehen zu sehen. Mir unseren besten Wünschen darf er auch die Zuversicht entgegennehmen, daß, so wie bisher in all den Jahrzehnten, ihm auch in der neuen Zukunft die Glaubensgenossen unseres Vaterlandes mit Rat und Tat, mit Hilfe und Förderung treu zur Seite stehen Werdern Mecklenburg voran irr Abschaffung des Zudenleibzolls. ' Bon Landesrabbiner Dr. S. Siloerstein. *) Der Aufruf des Herrn Rechtsanwalts Br. Guagenhenn (Ossenbach) für die Errichtung eines Denkmals zum Gedächtnis Wolf Breidenbachs, durch dessen Bemühungen vor mehr denn 100 Jahren der Juden-LeibzoL endgültig in den deutschen Staaten aufgehoben worden ist (vgl. Zeitung des Judentums vom 20. Februar *) Der Aufsatz des Herrn Landesraböiner Dr. Silberstein liegt uns schon seit längerer Zeit vor, kann aber infolge äußerer Gründe erst jetzt zum Abdruck gebrach! werden.