Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Eindrücke und Erlebnisse in Rumänien
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 388 (sequence 5)
- Language
- German
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Im deu'schcn Reich Z88 Eigenheiten zu verachten und Zu verspotten, sofern sie den modernen französisch übertünchten Auffassungen ihrer Meinung nach widerstritten oder dr gesellschaftlichen Verschmelzung mit den'Andersgläubigen hindernd im Wege standen. Während aber diese Zeit in der Enttvicklungsgeschichte der deutschen Judenheit bei den christlichen Mitbürgern Verständnis fand, und nicht ungern gesehen wurde, geht des Rumänen Abneigung und Feindseligkeit gegen den Inden so weit, daß er auchfür dieses Liebeswerben kein Ohr hat. Dieser Krieg rum hat der jüdischen Jugend die Augen geöffnet und bei aller berechtigten Liebe für das schone Land, das sie ihr Heimatland nennen, wissen sie doch heute, daß sie zu kämpfen haben werden, um sich die unbedingte Achtung und Anerkennung seitens der Regierung und des Voltes 511 erwerben. Jetzt wo der Kampf sich lohnt um das selbstverständliche und schon gegebene Ziel, da dürsten wir auch alle Wehrfähigen aus dem Plan finden. Bis heute glaubte man - durch Demut und Unterwürfigkeit, durch patriotische Äeutzerungen und gewaltige Opfer LN Hab uttb Gut, die man auf -dem Altäre des Vaterlandes niedergelegr hat, die Liebe der Rumänen doch noch zu gewinnen. Doch man war und blieb der „Jidan", den zu beleidigen und zu verfolgen beinahe zu einer vaterländischen und orthodox-religiösen Pflicht geworden-war. Alle Juden des Ostens, des Landes der klassischen Judennot, nahmen zu allen Zeiten lebhaft Anteil an allen Vorgängen in der jüdischen Welt, und diesem Interesse entsprach auch die Erziehung des Kindes. Nur bei dem rumänischen Juden mußte ich oft eine fast unverständliche Gleichgültigkeit jüdischen Dingen gegenüber feststellen, und nur so ist -es auch zu verstehen, daß trotz der großen- Zahl jüdischer Einrichtungen, denen wir im ganzen Lande, insbesondere in- Butarest, begegnen, ein wirklich jüdisches Leben nach außen hin sich nichr entwickeln konnte. Daß die ständigen Unfreundlichkeiten des Staates, die völlige Ignorierung eines ganzen V-olksteil.es und seiner Einrichtungen den Jndifferentismus zum großen Teile mi! verschuldet haben, soll nicht bestritten werden. Eine jüdische Gemeinde als solche zu begründen, ließ der Staat nicht zu, in die rumänischen Schulen wurde ein jüdisches Kind nicht ausgenommen, und in den jüdischen Schulen, in denen zum Unterschied von den rumänischen die deutsche Sprache überall obligatorisch ist, mußte das von der Regierung aufgezwungene rumänische Schulpensum so genau erledigt werden, daß für die Unterweisung in jüdischen Dingen nur sehr geringe Zeit übriggeblieben war. Jüdische Kultussteuern durften nicht erhoben werden, und der Staat selbst zahlte natürlich auch leinen Heller für jüdische Zwecke. So ist bis in diese Stunde hinein jede jüdische Einrichtung von dem Wohltätigkeitssinn der Juden abhängig. Glücklicherweise ist der Begriff der Wohltätigkeit zu allen Zeiten in Israel groß und stark gewesen, aber es -ist doch eine ganz besondere Freude, die wohlhabenden rumänischen Juden Zedaka üben zu sehen. Man soll nicht meinen, daß beispielsweise in Bukarest die reichen Inden so dicht beielnanderwohnen. Es mögen sich tausend sehr ret che und wohlhabende Juden in Bukarest aufzählen lassen, aber was bedeutet diese Zahl bei noch verbleibenden 45 000 meist sehr armer Glaubensgenossen/und bei den vielen Bedürftigen, die über das übrige Land