Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Eindrücke und Erlebnisse in Rumänien
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 386 (sequence 3)
- Language
- German
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386 Im deutschen Reich men, die sich nur auf die reichsten jüdischen Familien des Landes beschränken. Ein Rumäne, der sich dazu herablößt, im Hause eines Juden zu verkehren, wird von diesem meist über Gebühr geschätzt, .wie er umgekehrt von seiner eigenen Sippe als nicht mehr ganz auf der Höhe stehend geachtet wird. Diese Erscheinung ist auf dem Lande und in der Provinz genau so anzutreffen, wie in der Hauptstadt Bukarest. Ich habe während meines bisher ememhalbjährigen Aufenthaltes in Rumänien vielfach beobachten können, wie man Juden auf osfener Straße als solche beleidigt hat, ohne daß diese irgendeine Miene Zu ihrer Verteidigung gemacht hätten. Die Verleumdung, daß die Juden Rumänien an die Deutschen verkauften, daß die Juden die Schuld cm allen Mißerfolgen tragen, daß sie samt und sonders Spione sind, das sind ja „Tatsachen", die auch in Deutschland bekannt sein dürsten. Demobilisierte rumänischjüdische Soldaten haben mir zu vielen Malen erzählt, daß man sie nicht nur, wie selbstverständlich, in die erste Frontlinie gestellt und mit für den Feind besser sichtbaren, schwarzen Mänteln bekleidet hat, sondern daß auch strenge Weisungen gegeben waren, keinen Juden mit irgendeinem Aufträge, sei es auch dem kleinsten, zu betrauen. Besonders vermied man es, jüdische Soldaten im militärischen Dienste nach den Bahnhöfen zu schicken, da man lächerlicherweise entweder ihre Abreise oder gar feindliche Anschläge gegen die Züge oder Bahnanlagen befürchtete. Ich babe jetzt auch viele Zurückgekehrte intellektuelle junge Juden gesprochen, die seinerzeit mit jugendlicher Begeisterung und mit wirklichem Baterlandsgefühl in der Brust, in der Hoffnung auf Rumäniens Gerechtigkeitssinn in den Krieg gezogen sind und nun gründlichst ernüchtert, mit starker Liebe aber für das gehetzte Judentum und voller Hoffnung auf das Eingreifen der siegreichen Mächte zurückkehren. Fast alle bestätigen die hetzerischen und judenfeindlichen Ansprachen, die in der Moldau an den heimkehrenden Soldaten gerichtet wurden, so daß diese fast ausnahmslos erstaunt sind, bei ihrer Ankunft im besetzten Gebiete ganz andere und weit bessere Verhältnisse vorzusinden, als sie ihnen dort geschildert worden waren. Daß kleinere Pogrome in der Moldau die Folgen dieser Hetzereien waren, ist unterdessen ja durch die Zeitungen bekanntgewordeu. Im besetzten Gebiete kann man noch heute nicht selten den ermunternden Zuruf hören: Wartet nur, ihr Juden, wenn die Deutschen einmal draußen sind, dann werden wir mit euch schon Abrechnung halten. In den ersten Zeiten der deutschen Besetzung war man noch etwas deutlicher geworden und schrie jedem Juden laut und vernehmlich ins Ohr: Ihr habt uns verraten und das Land verkauft, der deutsche Dreck muß daher mit jüdischem Blute abgewaschen werden. Unterdessen hat sich das rumänische heiße Blut etwas aögekühlt, man ist ruhiger geworden und hosst auf den Generalsrieden, von dem mau glaubt, daß er manchen unerfüllt gebliebenen Wünschen der Rumänen Erfüllung bringen werde.