Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Eindrücke und Erlebnisse in Rumänien
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 385 (sequence 2)
- Language
- German
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Eindrücke imb Erlebnisse in Rnmüni-.w 385 ■bte in bcr Verfassung Rumänw'r. *' mögen, Der nachdrücküchst ausgesprochene Wunsch der fck' e 'a"ckw-, der sogar ein Wunsch auch der uns feiubücfieii Sta> 1 ' u. *'\.n Säle der rumänischen Juden in Erfüllung 'geht. r i 1' * * rprö»Ifceni Marghiloman, der kurz nacheinander mrschi wm T<l. wo TePuLanonen empfangen hat, der auch — zum eilten Male üll br vielen Jahren im rumänisch-jüdischen Leben — vor einigen Wochen in Begleitung des Ministers des Aeutzeren Arion und einer auserlesenen Gesellschaft ein Tode um anläßlich der FnedensschlusseS und der Analiederung Betzarabiens im Tempel besuch! hat, wird im eigensten Interesse sein bei mehrfachen Gelegenheiten gegebenes Wort einlösen wollen, um auch die kommenden jüdischen Wähler für sich und seine Partei zu gewinnen. Die Stimmung unter den Juden Rumäniens ist durchaus nicht so himmelhoch jauchzend, wie mancher uneingeweihte Elaubensgenojfc im deutschen Vaterlands sich das vorstellen, mng. Diese nicht zu leugnende Tatsache hat zunächst ihren Grund in einem ständigen Angstgefühl vor den Rumänen, die sich in einen so selbstverständlichen Hatz gegen die Juden hineingelebt haben, daß Jahrzehnte nötig fein werden, um die Itzt ausgesprochene Gleichberechtigung zu einer sakrischen ausreifen zu lassen. Ein weiterer Grund zu Befürchtungen ist der Gleichberechtigungsparagraph des Fried-2nsDLrtrng.es selbst, der eben nicht allen Inden ausnahmslos die Erlösung ans Rechtlosigkeit und Unterdrückung bringt. Warum hassen der Rumäne und nicht minder die Rumänin die Juden? Nicht aus uralten Traditionen stammt diese antijüdische Gesinnung, denn Zur Zeit der Fürsten der Walachei und der Moldau kannte man Antisemitismus überhaupt nicht. Erst seit dem Abgänge des Fürsten Cuza, seit jenen Tagen, da man westeuropäische Kultur nach dieser orientalischen Wildnis einzuführen bestrebt war, seit jenen Zeiten, da der regsame Geist der Juden die neuen Möglichkeiten zu Entfaltung ihrer Fähigkeiten und Gaben erfaßte und sich auf allen Gebieten des Handels und der Industrie betätigen wo De, sii'dem überhaupt der Nationalismus in der ganzen Welt im vT ~ r-n begriffen ist, in j-snen Zeiten begann der auf seinen reichm b nnn sitzende Großboiar die Tüchtigkeit und Nüchternheit der Jutwn zu furchten, und auch der Intellektuelle suchte ihn auszuschalten, wo ihm dazu eine Möglichkeit geboten war, und so organisierte man mit Hilfe des vollständig abhängigen, des Lesens und Schreibens unkundigen Bauern jene Bestrebungen, die zu dem berüchtigten rumänischen „Fremdengesetz" alias „Judenges-etz" führten. In systematischer Arbeit jourbe das Volk dahin belehrt, daß der Jude ein von Natur mindenmeiüger Mensch sei, und jedes Kind wird bis in diese Stunde hinein in dem Gedanken erzogen, dereinst in dem Juden seinen natürlichen und schlimmsten Feind erblicken zu müssen. Haus und Schule und orthodoxe Kirche arbeiten in bestem Einv-ernehmen Hand in Hand. So kommt es, daß Inden und Rumänen — die Juden bezeichnen sieh selbst nie als Rumänen, sondern stets als Inden — gesellschaftlich gar keine Beziehungen zueinander haben, mit ganz verschwindenden Ausnah-