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Im deutschen Reich · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · p. 382

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-10-01
Page
382 (sequence 6)
Language
German
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382 Im deutschen Reich draußen gegen Deutschland mit so gefährlichen Wirrungen verbreitet und verwertet wurden, durften im Innern gegen die Juden gedruckt und verbreitet werden. Wir sind Gegner der Zensur. Solange sie aber während der Kriegszeit besteht mit der Begründung, daß sie im militärischen Interesse und im Interesse des Durchhaltens notwendig sei, muß sie in eben diesem Interesse alles verhindern, was die Feldfront schwächen kann, was die eigenen Streiter zwingt, gegeneinander zu kämtzfen. Schimpfierte Krieger werden, ob sie wollen oder nicht, von selbst unlustig, und ihre Liebe zum Vaterland wird, während sie ihm ihr Letztes opfern, einer schweren Belastungsprobe unterworfen, wenn sie in ihren: eigenen Vaterland ungeschützt verleumdet und angeschuldigt werden dürfen. Allerdings sind die antisemitischen Alldeutschen jetzt etwas gedampfter geworden, jedoch nicht infolge des Druckes einer vorbeugenden, klug führenden Regierung, sondern infolge der militärischen Lage. Bessert sich diese, was wir hoffen, so werden sie wieder ihre Kriegsinstrumente lärmend bearbeiten. Von einem „vollständigen Zusammenbruch des großschnäuzigen Alldeutschtums", den der sozialdemokratische Führer Scheidemann am 23. September feststellen zu dürfen glaubte, kann leider noch nicht die Rede sein. Das hat die Tagung des Alldeutschen Verbandes in Hannover am 14. und 15. September gezeigt, in der jene wüste Demagogie gegen die „schwache" Regierung und alle Friedensfreunde wieder zu finden war, die wir von ihrem Kamps gegen die Juden und Alljuden her kennen. Es wäre hocherfreulich und würde Deutschlands Glück sein, wenn jene Wutäußerungen wirklich nur Rückzugsgefechts wären und man von den Alldeutschen dasselbe sagen könnte, was Goethes Faust beim Osterspaziergang vom fliehenden Wint'er sagt: Der alte Winter in seiner Schwäche Zog sich m rauhe Berge zurück. Von dort her sendet er, fliehend, nur Ohnmächtige Schauer körnigen Eises In Streifen über die grünende Flur; Aber die Sonne duldet nichts Weißes. Der Verbandsvorsitzende, Jusnzrat Claas, teilte aus der Tagung mit, daß der geschästsführende Ausschuß die Stellungnahme des Verbandes zur Judensrage eingehend prüfen und in der nächsten Vorstandssitzung Vorschläge unterbreiten werde. Das ist einigermaßen überraschend. Sollten die Alldeutschen eine Abkehr von ihrem antisemitischen Verhalten als zweckdienlich ansehen? Das ist zu unserem Bedauern nicht anzunehmen. Wovon sollte „Deutschlands Erneuerung" leben, wenn die Judenhetze aushören sollte? Was würde aus der Monatsschrift „Auf Vorposten", dem schmähsüchtigen

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