Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 381 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau SSI Volk gegenüber begangen. Die Imponderabilien sind keineswegs so gewichtlos, wie der Name anheniet. Dies hat auch Graf HerLling erfahren, dessen Kabinett in eine bedenkliche Krise geglitten mar.*) Richtete sich nicht auch die Kundgebung Hindenburgs im Grunde gegen Imponderabilien, die die innere Geschlossenheit und Zuversicht dos Volkes zu zermürben drohen? War nicht die ganze politische Redeoffensive ein Versuch, die vielfach mißachtete Volksstimmung zu beleben und zu diesem Zweck sogar von den einflußreichen WdeuLschen abzurücken" Auch in der Ju densrage ist viel gesündigt worden. Es wurde ein unverantwortliches, frivoles Sviel mit den Empfindungen der jüdischen Mitbürger zugelassen in einem Weltkrieg, der die freudige und restlose Hingabe jedes deutschen Bürgers beansprucht. Verleumdungen ähnlick;.er 'Art, wie sie *) Während der Drucklegung ist die Nachricht emqetröuen, daß Gras HerLling sein A ö s ch i e dsgesu ch eingereicht und der Kaiser es genehmigt habe. Au demselben Tag, am 30. Septenrber, hat der Kaiser einen vom bisherigen Reichskanzler gegengezeichnete-! Erlaß Lrerausgegeöcn, in dem er wünscht, „daß Las deutsche Volk wirksamer als bisher an der Bestimmung der Geschicke des Vaterlandes Mitarbeit et. Es ist daher mein Wille, daß Männer, die vorn Vertrauen des Volkes getragen, sind, in weitem um sauge ieilnchmen an boxt Rechten und Wichten der Regierung''. Die Mehrheitsparteien des Reichstags traten sofort in Verhandlungen und Besprechungen ein, deren Ergebnis war, daß der am Anfang der Umschau erwähnte Prinz Mar von Baden Reichskanzler wurde. Er hat, wie in parlamentarisch regierten Ländern, ein Mehrheitslabinett gebildet. Zum erstenmal in der Geschichte Deutschlands haben wir fo^ialbemokransche Staatssekretäre, zum erstenmal sind bei einer Bildung eines Re-ichsruinisteriums die Konservativen, die „geborenen" Staatsmänner, ausgeschaltet worden. Auch nach Preußen wird die Neueinrichtung übetgreiren, so daß auch dort der Einfluß des „ungekrönten Königs", Herrn von Mgottrand, einstweilen ausschalret. Die Konservativen haben sich zwar im ln .c:t Augen blick bereit erklärt, trotz schweren Opfern ihrer UsberZeu-g.aw stch an einem Koalitionskabinett zu beteiligen, also auch mit sozia rdem otratischen Ministern zusammenZLarbeiten. Sie kamen zu spät. Ein Entgegenkommen zu rechter Zeit gegen den neuen Geist, gegen die Stimmungen und Wünsche eines reifen Volkes, die von ihnen als Imponderabilien mißachtet wurden, hätte ihnen der Schlag einer völligen Ausschaltung erspart. Statt dessen haben sie mit erlaubten und unerlaubten Mitteln Herrn von Bethmann Hollweg, den Reichskanzler der Neuorientierung so lauge verfolgt, bis er stürzte: statt dessen haben sie und ihre Helfer durch eine Wolke von Anlistmnrrsmus den Blick des deutschen Volkes für die wahren Ursachen der Wre trüben wollen. Möge dieses erste .parlamentarische Kabinett, ernporgewachfen aus Kriegsnot und Bedrängnis, unserem Vaterlande zum Segen gereichen! Möge nun hinter der von Hindenöurg geführten VolksmilitärmachL, hinter ihren Offensiven und Defensiven eine durch keine Neöeneinflüsie gestörte einheitliche politische Offensiv-und DeiensiLmachr stehen, die beide unter der obersten Leitung des Kaisers den Krieg einem baldigen ehrenvollen Ende Zufuhren können! ’ I. Sch.