Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 380 (sequence 4)
- Language
- German
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380 Im deutschen Reich einem neutralen Ort, während die militärischen Aktionen weitergehen sollen, hatte ein solcher Stein sein können. Das hat auch Wilson befürchtet, und amerikanisch rasch, eine halbe Stunde nach Eintreffen der Note, ließ er seine hochfcchrende, barsche Ablehnung über den Ozean kabeln. Der englische SJciniftcr Valfour sprach ebenfalls sofort, in -verbindlicheren Formen, seine Abweisung aus, und Elemenceau hielt seine geschichtliche Tatsachen auf den Kops stellende Haßrede, deren Abdruck er amtlich als Antwort auf die österreichische Einladung sandte; eine neue diplomatische Manier, die der „Poster Lloyd" derb, aber zutreffend den Einfall eines Gassenjungen nannte, der ein Greis geworden und auf die Achtung verzichtet, die man weißen Haaren unwillkürlich zollt. Alle drei, angeblich Vertreter demokratischer -Staaten und des Volkswillens, haben es verschmäht, ihre Volksvertretungen vorher über diese wichtigste Angelegenheit zu befragen! Die Zeit der Versöhnung ist noch Glicht gekommen. Die Stimmen der Staatslenker und ihrer Volker reden aneinander vorbei wie zu Babel, als die Menschen vermessen einen Turm bauen wollten, dessen Spitze bis an den Himmel reichen -sollte. Gott verwirrte ihre Sprache, und sie verstanden einander nicht mehr. Was wir aber jetzt wollen, das ist nicht vermessen, ist edel und barmherzig und fließt aus dem Borne wahrer Religion: einen Turm der Menschlichkeit und der Versöhnung wollen wir aufrichten, dessen Spitze bis an den Himmel reicht. Doch wir können ihn nicht aufrichten, weil die Menschen noch verschiedene Sprachen reden und sich nicht verständlich machen können. Zwei Liebende, ob sie auch verschiedene Sprachen reden, verstehen sich sofort, roeuTi sie im Kuß sich finden. Wann werden die Schillerschen Worte in den feierlich jubelnden Klängen Beethovens über das Weltall brausen: , Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuß der ganzen Welt! * Es muß leider weitcrgekämvst werden, und statt der neunten Symphonie ertönt der Ruf Zur neunten Kriegsarrleihs. Keiner verschließe sich ihm! Wenn die Gegner die wiederholt angebotene Friedensbereitschaft unserer Regierung und der Regierungen unserer Verbündeten sortgesetzt mit dem starrsten Vernichtungswillen beantworten, so kann, so darf unsere Antwort in diesen Tagen nur die sein, unserem Heer, unseren Brüdern, Vätern und Söhnen die Waffen zu liefern, die sie gegen den mit Wut und Wucht aitjrürincnbeii Feind brauchen: Goldene und silberne Kugeln! Der Fehler, die Stimmungen der Völker nicht in Rechnung zu stellen und sich um Imponderabilien nicht zu kümmern, wird von der deutschen und preußischen Regierung auch dem eigenen