Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Zum Andenken an Coßmann Werner
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 376 (sequence 8)
- Language
- German
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378 Zm Lestflhes Reich gefunden hätte. Der Vortrag über „Judentaufen" ist in ungefähr 80000 %mplaren in Druck verbreitet und imruer noch hört die Nachfrage nicht auf; sin Beweis dafür, daß auch dem geschriebenen Wort der Bestand gesichert geblieben ist. Es ist unmöglich, alle großen Reden und Aufsätze Werners hier aufzuführen, die durch den Druck veröffentlicht sind; sein Vortrag zur ersten Hauptversammlung des Verbandes der deutsches Juden, seine ohne Nennung seines Namens im „Antisemitenspiegel" veröffentlichte Studie über den Talmud, die Chanukkahbetrachtung Ln den „Mitteilungen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands" im Jahre 1917, der große Kriegsvortrag im Centraloerein aus dem Jahre 1915 werden ebenso wie seine unveröffentlichten Ausführungen, insbesondere der letzte große Vortrag über das Kapitel „Innerer Frieden" sein Andenken in Ehren bewahren. HI. Im Centralverein sah der Verewigte den „Verein der Vereine". Immer wieder hat er die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der deutschen Juden im Centraloerein hervorgehoben und für ihn hat er gewirkt, wo er nur konnte. Es verging keine Woche, in welcher ihm nicht umfängliche Akten des Centralvereins zur Begutachtung Vorlagen, und wir konnte« sicher sein, von dem mit Arbeit belasteten Dtanne niemals das Wort „ich bin überlastet" zu hören. Er hatte immer Zeit für den von ihm fo hochgehaltenen „Staatsbürgervereiu". Darum erachtete er es auch stets als Notwendigkeit, daß der Centralverein seine führende Stellung als größte demokratische Organisation des jüdischen Deutschland unter allen Umständen aufrechterhalte. Ueber die Auffassung der Leitung der Geschäfte des Centralvereins gibt uns eine prächtige Rede Aufschluß, die er in der Synagoge zu München bei der Trauerfeier für die Opfer der russischen Judenverfolgung im November 1905 gehalten hat. Wenn auch diese Rede mit den deutschen Verhältnissen an sich nichts zu tun hat, so gibt sie doch in ihren meisterhaften Ausführungen Anhaltspunkte allgemeiner Art genug. Nach der erhebenden Einleitung, in der der Redner von den ehrende« Runzeln und Narben in Israels Gestalt spricht, kommt er zum ersten Teile seiner Ausführungen, dem er die Schristworte „Du sollst nicht müßig stehen, wenn das Blut deines Nächsten vergossen wird" zugrunde legt. Hier führt er aus, wie es unser Recht und unsere Pflicht ist, unsere Mitmenschen mit aller Deutlichkeit auf all das hinzuweisen, was an Unrecht den Juden gegenüber geschieht und geschehen ist. Im zweiten Teile wird an der Hand eines andern Schriftwortes ausgeführt, wie notwendig es ist, alles, was in menschlicher