Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Zum Andenken an Coßmann Werner
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 373 (sequence 5)
- Language
- German
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Zürn Andenken an Coßmair» Werner 373 manchem unangenehm. Nichts von dem bei Werner! Was er für recht erkannt hatte, trug er vor; zwar liebenswürdig und verbindlich in der Form, aber unbeugsam in der Sache, wenn Recht und Gerechtigkeit auf dem Spiele standen. Zu seiner Wertschätzung mag noch beigetragen haben, daß er eine im Grunde seines Gemütes konservative Natur gewesen ist. Er war ein geschichtlich empfindender Mensch, der im Ablauf der Jahrhunderte und im langsamen Fortschritt der Menschheit ein Naturgebot sah und eine überstürzte Entwicklung auf jedem Gebiet des Lebens als Fehler betrachtete. Er wollte deshalb keine überstürzten Reformen auf irgendeinem Gebiete und war bestrebt, das Ererbte zunächst zum Gemeinbesitz zu machen- So war ein Zusammenarbeiten zwischen ihm und den Behörden erleichtert worden, da ja in den Stuben der Ministerien eine gleiche Grundauffastung zu herrschen pflegt. Bei alledem lag ihm Leisetreterei fern; gewiß konnte man seine Austastung beim Vorgehen in dieser oder jener politischen Frage für zu milde halten, im großen und ganzen tat er auch den Vertretern der schärferen Tonart Genüge. Es ist falsch, ihn schlechtweg als einen Mann des Friedens im weitesten Sinne des Wortes zu verstehen; er wollte den Frieden innerhalb der verschiedenen Richtungen des Judentums auf jede Weise, aber doch nur, soweit dieser Friede mit seiner persönlichen Ueberzeugung vereinbar war; er wollte den Frieden innerhalb der einzelnen Bevölkerungsschichten unseres Vaterlandes, aber nur insoweit er ehrenvoll ist. Die Einweihungspredigt der Neuen Synagoge in Danzig behandelte das Wort: „Wir sind doch alle Kinder eines Vaters". Sie löste einen stürmischen Erfolg in der gesamten Bürgerschaft aus und gibt dem Leser eine Grundlage für die Austastung, daß Werner einen Frieden nicht der Duldung, sondern der gegenseitigen Achtung zeitlebens erstrebt hat. Nur eins verabscheute er: Die persönliche Verunglimpfung des Gegners und das absichtliche Nichtverstehenwollen der andern Seite. Er prüfte die Gründe der Gegenseite und sammelte das Verbindende, ohne das Trennende zu verwischen. Darum hat er auch in religiöser Hinsicht seinen Standpunkt um des lieben Friedens willen niemals aufgegeben; er suchte stets das Verbindende mit andern Auffastungen, und es gelang ihm, ein herzliches Miteinander zu schaffen. In einer den Centralverei« hauptsächlich berührenden Frage trat dies zutage, in seiner Stellung zum Zionismus. Werner war ein ebenso eingefleischter Jude, wie ein eingefleischter Deutscher. .Darum lagen ihm jüdisch-nationale Gedankengänze vollständig fern. Jedoch sah er in der zionistischen Bewegung einen Gedankenreichtum, den er für die Erhaltung des Judentums für Wertvoll hielt und wünschte stets, daß man diese