Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Die jüdische Mutter als Erzieherin ihrer Söhne
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 350 (sequence 7)
- Language
- German
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350 Im deutschen Reich mit Frauen vergeuden, der sie in ihren eigenen Augen entwertet. Und wenn auch nicht jede Mutter weise Reden zu führen versteht, so kann doch eine jede gütige Worte finden. So greift die Mutter mächtig sin das öffentliche Leben ein, indem sie durch ihren erzieherisch veredelnden Einfluß ans ihre Söhne wahre Männer bilden hilft. Immer weiter schreitet die Zeit. Die Söhne find nun Männer geworden und leben ihrem Berufe. Raten kann ihnen die Mutter nicht mehr, sie sind an des Vaters Hand, geschützt von seiner Erfahrung, auf geebneten Wegen hinausgeschritten zur Selbständigkeit, und wo jetzt Gestrüpp oder Dornen die Wege hemmen wollen, müssen sie sich als Männer selber Bahn brechen. Und dennoch fühlen sie sich immer noch irr ungeschwächter Zärtlichkeit mit der Mutter verbunden, lauschen sie immer noch ihren besänftigenden Worten wie in der Kindheft Tagen. In das Mutterherz dürfen sie alles ausgießen, was nur Gott wissen darf und sie selber. Und das Unglaubliche geschieht — die Mutter sieht zu dem Sohne auf! Aber mit welchem "Stolz, mit welchem Selbstbewutztsein, gepaart mit demütigem Dank gegen Gott, der ihr Erziehungswerk so herrlich gesegnet und gelingen ließ! Ist es -doch Blut von ihrem Blut, Geist von ihrem Geist, vermischt mit der Energie des Mannes, den sie liebt und durch dessen Verstand und weise "Lebensführung, innig verwoben mit ihrer fürsorglichen Liebe, die Söhne das geworden sind, was die Welt jetzt in ihnen ehrt und anerkennt. Eine innigere Verschmelzung von Zärtlichkeit und Hochachtung, von willigem Geben und willigem Nehmen als die zwischen Mutter und Sohn ist auf Erden nicht denkbar. Und dazu die stille, süße Hoffnung, ja Gewißheit im Mutterherzen, daß die Söhne, die Männer der Gegenwart, denen auch noch ein gutes Stück der Zukunft gehört, alles das erreichen werden, was dem ernsten Ringen und dem stillen Fleiße des Elternpaares versagt blieb — wer möchte noch mehr vom Erdenglück verlangen? Und mit welch hohem Fluge kann das Mutterherz den Söhnen folgen, selbst zur höchsten Höhe der Selbstverleugnung, wenn das Vaterland sie zu seinem Schutze auftust. War es doch eine Mutter, die dem Krieger, ihrem Sohne, den Schild reichte und in höchster Begeisterung auszurufen vermochte: „Mit ihm oder auf ihm!" Dies Hochgefühl, dessen Opferfähigkeit das Mutterherz im grauen Altertum mit dem höchsten Glorienscheine umkleidetes, empfinden auch die jüdischen Mütter unserer Tage, deren Söhne in blutigen Schlachten kämpfen, um das Vaterland frei und groß zu machen. Wohl wird für die Mutter die Zeit kommen, da ihr Einfluß vor dem alleinherrschenden Gedanken an eine andere Frau zurücktritt, deren Besitz nun als das einzig erstrebenswerte Ziel erscheint. Dieser Zurücksetzung soll sie -großmütig entgegensetzen. Wenn sie an dem Sohne ihr Liebeswerk getan hat, wird sie in seiner Ehe geistig fortleben, da sie ihn zu einer wahren Gemeinschaft mit -der Gattin befähigte. Das Ideal des im Elternhause-genossenen Familienlebens wird ihm Richtschnur sein für die Wahl seiner Lebensgefährtin und die Gründung des eigenen Herdes.