Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Die jüdische Mutter als Erzieherin ihrer Söhne
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 351 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Interpellation Hüne! 351 Das SBort, das zur Beleuchtung des Verhältnisses von Mutter und Sohn dient, soll keine Apotheose -der Mutterliebe sein, sondern ein Mahnwort an unsere Frauen und Mütter. lieber allem Glück des Sichauslebens steht das Glück der Familie, und das wahre M'enschenglück geht nur von einem gesunden Familienleben aus, dessen Seele die Frau und Mutter ist. In der Hand der Frauen und Mütter liegt die Zukunft der Nationen. In der Hand der jüdischen Frauen und Mütter Deutschlands liegt die Zukunft der deutschen Judenheit. Und der herrlichste Ausblick für unsere Frauenwelt isst daß, wie sie ihre Söhne zu unbegrenzter Liebe zum Judentum und Deutschtum erzogen haben, dereinst auch ihre Enkel'und Urenkel in den Bahnen der Vorfahren wandeln werden! Die ZrrterPeAEsN Harrel. Aus Anlaß des Todes des greisen Kieler Professors Albert Hauest der in früheren Jahren als freisinniger Abgeordneter eine bedeutsame Rolle gespielt hat, imiröe in Der „F reisinnige n Z e i - tun g" (vom 1. Juni) die Erinnerung an die I n t e r p e l l a t i o n Hänel tut preußischen Abgeordnetenhause aufgefrischt, die, da der Hergang 33 Jahre zurückliegst nur wenigen bekannt sein dürste. Wir lesen in dem zitierten Blatt: „Es war im November 1880. Die autisemitische Bewegung, bis dahin eine in allen KutturstaaLen unbekannte Erscheinung, war 1877 vom Hosprediger Stöcker zuerst durch seine Agitation im engsten Kreise hervorgerufen; sie hatte schnell weite Bevülkerungsschichten ersaßt und namentlich in Berlin zu stürmischen Erörterungen und unliebsamen Zusammenstößen geführt. Die fortschrittliche Partei, zu deren hervorragendsten Führern Albert Hänel damals gehörte, hatte die neue Bewegung vom ersten Tage an aus das schärfste bekämpft. Als aber die Antisemiten im Herbst 1880 dazu übergingen, durch eine an den Reichskanzler gerichtete Petition, welche in etwa 100 000 Exemplaren im Lande verbreitet worden war und zu deren Unterschrift und Unterstützung auch Behörden, Landratsämter usw. anfgefordert wurden, eine B e j ch r ä n k u n g der st a a r s bü r g e rI i ch en Rechte der j ü d is ch e n Staatsangehörigen zu verlangen, hielt es die Partei für notwendig, die Dinge auch im Parlament zur Sprache zu bringen und die Staatsregierung über ihre Stellung zu der genannten Petition zu interpellieren. Am 20. November 1880 kam diese Interpellation der Fortschrittspartei, die unter der Bezeichnung „Interpellation Hänel"" in der parlamentarischen Geschichte Deutschlands fortlebt, im preußischen Abgeordnetenhause zur Erörterung. Diese Erörterung war die erste parlamentarische Behandlung der „I u d e n f r a g e", die — man kann wohl sagen leider — seitdem in den deutschen Parlamenten so vielfach zu erregten Debatten Veranlassunggegeben bat. Hänel begründete die Interpellation. In scharfen Worten, die noch heute für jeden Politiker, der sich mit den einschlägigen Fragen bestuästtat, von großem Interesse sein dürften, geißelte er die wüste Agitation der Antisemiten unter dem liebhasten Beifall der Liberalen. Der Vizepräsident des S 1 a a t s m i n i st e r i u m s antwortete in streng sachlicher, nach dem Geschmack manches Hörers vielleicht etwas zu fachlrcher Weise, gab aber in entschiedener Weise die durchaus korrekte Erklärung ab, daß