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Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 349

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
Die jüdische Mutter als Erzieherin ihrer Söhne
Date
1918-09-01
Page
349 (sequence 6)
Language
German
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Dis jüdische Mutter als Erzieherin ihrer Söhne 349 hohe sittliche Ernst ihres Wesens, ihre unentwegt treue Pflichterfüllung, die Festigkeit ihres Gharakters, ihre zielbewußte Tatkraft, ihre ganze Persönlichkeit lassen den Jüngling, je wehr er zuin Manne heranreift, mn so wehr in der Mutter seine treueste, verständnisvollste Freundin, -das höchste weibliche Ideal verehren. Änd so wird es der Mutter leicht sein, in ernster, zarter Weise, mit feinstem Takt den .Jüngling auf die schweren Gefahren hinzuweisen, die seiner physischen, psychischen und sittlichen- Gesundheit, namentlich in der Großstadt Von außen drohen. Diese rechtzeitige Aufklärung aus dem Munde der Mutter, ehe sich andere Einflüsse geltend machen, ist einer der wichtigsten und heikelsten Punkte in der Erziehung der Söhne. Die Kraft, die der Mutter selbst in den spärlichsten ersten Aeußetimgcn schon an dem Sohne imponiert, die weibliche Zartheit der -Gesinnung, die körperliche Schwache der Mutter, die dem Sohne die zärtlichsten Rücksichten abnötigen, dieses Ergänzen und Verstehen auch ohne Worte, das immer deutlicher sich gestaltende Bewußtsein des Sohnes, daß die Mutterliebe ohne ^Grenzen ist, selbst über -alles menschliche Verstehen hinaus für den Lohn nicht aufhören wird, das ist das unauflösliche, geheimnisvolle Bündnis zwischen Mutter und Söhnen. Der Vater kennt noch eine höhere Gewalt als seine Vaterliebe, das ist seine Ehre. Der Sohn, der zum Verbrecher geworden, ist sein Sohn nicht mehr. Die Mutterliebe hört auch dann nicht auf. Sie wird das Verbrechen lieber aus sich selber nehmen, als den Sohn -untergehen lassen. Und hier müssen wir fragen: Wo ist die höhere sittliche Kraft, im Verdammerl imd Ausreißen der letzten Wurzelsasern aus dem blutenden Herzen oder im allerbarmenden, opfermutigen Festhalten an der Liebe zu dem Gefallenen, der, wenn er zu retten ist, nur durch eine mutige Liebestat, ein Offenbaren eines Liebesschatzech der über alle menschlichen Satzungen hinausreicht, seine Erlösung findet. Nach der Saat kommt die Ernte. Der Sohn, der sich gesund entwickelt, wird zum tüchtigen Manne. Er verläßt das Elternhaus mit dem Segenswunsch der Mutter: „Habe Gott vor Augen und im Herzen", mit dem Kuß des Vaters und zieht hinaus in die Welt. In ihren Briefen an den fernen Sohn wird sich die Mutter immer mehr als sanftleitende Schützerin und Beraterin des jungen Mannes betätigen, wird sie ihr Erziehungswerk fortsetzen, vollenden. In ihren Briefen wird sie ihn stets am Zügel des Pflichtgefühls und der Sitte fesch alten, wird niemals erlahmen, ihn .zu• mahnen, stets des angestammten Glauberis eingedenk zu bleiben, ihn unentwegt fest und treu zu bekennen, jederzeit als bewußter Jude und Deutscher aufzutreten. In neuester Zeit ist den jüdischen Müttern auch die neue Aufgabe erwachsen, die fernen Söhne auf die jüdischen Jugendvereinigungen hinzulenken. Der Zusammenschluß der jüdischen Jugend ist von unschätzbarem Bert, insbesondere .für die männliche Jugend. Diese wird hierdurch den Einflüsterungen und Verlockungen zu Uebertritt oder Mischehe wirksam entzogen und durch den Verkehr mit geistig und seelisch gleich hochstehenden Altersgenossinnen ihre Zeit nicht im Verkehr

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