Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 336 (sequence 10)
- Language
- German
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Im deutschen Reich 336 die jetzt stark in den Händen der katholischen Geistlichkeit stehen und durch einen unlängst gesammelten 10-MMonen-Pressefonds Unterstützung erhalten haben soll. Neue Tagesblätter erscheinen, Flugschriften werden verbreitet, die sogar das bischöfliche Visum tragen. Die Regierung, deren Aufmerksamkeit die ungarischen Juden auf diese Umtriebe gelenkt haben,' hat in ihrem Wirkungskreise bereits mehrere Schritte unternommen, um den Schutz der in einzelnen Gegenden gefährdeten Juden zu sichern. Namentlich hat Ministerpräsident W e t e r I e diesen Treibereien gegenüber Verfügungen getroffen. Den Bischof Prohaszta dürfte es interessieren, daß in dem Prozeß gegen die landesverräterischen polnischen Legionäre in Marmaros-Sziged der Generalleutnant Johann Schilling aussagte, daß der Führer einer der Legionärtruppen ein Geistlicher gewesen sei. Ihn dürfte es auch interessieren, was Gras T i s z a im ungarischen Abgeordnetenhause am 8. August ausführte, als Die Stellung des Judentums im Kriege zur Sprache gebracht wurde. Graf Tisza, der Führer der Mehrheitspartei, erMrte: „Der Antisemitismus sei ungerechtfertigt, weil die Handlungen einzelner nicht nach Konfessionen oder Rassen beurteilt werden dürfen. In dem Regiment des Redners standen im Vorjahr zwei bis Zur Tollkühnheit tapfere jüdische Offiziere, die die glänzendsten Eigenschaften des ungarischen Soldaten.repräsentierten. Es sei im höchsten Grade ungerecht, wegen des schlechten Verhaltens einzelner über alle jüdischen Mitglieder den Stab zu brechen. Das lleöel in Ungarn liege darin, daß die Berussarten, bei denen, in Verbindung mit dem Kriege, Mißbräuche am häufigsten Vorkommen, zum größten Teil in jüdischen Händen seien. Dian stehe der Gefahr gegenüber, daß die. berechtigte Erbitterung gegen diese Handlungen einen konfessionellen Charakter annehmen. Man müsse das Bol! aufklären, in diesen Verfehlungen nicht konfessionelle oder Rassensymptome zu erblicken." Ministerpräsident Di*. '$Se feile schloß sich den Darlegungen des Grasen Tisza an. Von besonderem Wert waren die Worte, mit denen der Honvedmini st er Baron Szurmay, der an der Verteidigung der Karpathen hervorragenden Anteil hatte, das Lob der jüdischen Offiziere durch den Grafen Tisza in einem Zwischenruf ergänzte: „Auch unter meinem Kommando haben sich zahlreiche jüdische Offiziere und Soldaten glanzend bewährt." ❖ Nun noch einmal für kurze Weile zu den Antisemiten tn Deutschland zurück. Die Abgeordnetenhausrede eines unserer Kunschaks, des Abgeordneten H eins vom 4. Mai wird von den Antisemiten noch immer in Sonderdruck verbreitet. Wir haben schon betont, daß uns das angenehm ist, d« uns damit eine Arbeit abgenommen wird. Eine solche Siebe wirkt aufklärend über den geistigen und moralischen Gehalt des Antisemitismus. Eine Wirrung, mit der Lehrer Heins gewiß nicht zufrieden sein dürfte, zeigt sie bereits: Seine eignen Standesgenossen rücken von ihm ab. Die Preußische Lehrerzeitung schreibt nämlich in Nummer 56 folgendes: