Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 335 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau 33ö Wien und wegen der Knebelung der jüdischen Presse durch die Zensur. Im österreichischen Abgeordnetenhaus ist es kurz vor Schluß der Tagung während einer Rede des echt deutschen Jerzabek infolge von Zwischenrufen eines jüdischen Abgeordneten fast zu Handgreiflichkeiten gegen diesen gekommen. Man nennt das: Die Front geschlossen gegen den äußeren Feind. * Die Schlammflut des Antisemitismus spritzt auch nach Ungarn hinüber. Ein Budapester katholisches Blatt knüpfte an den Bericht über die Wiener Vorgänge den Wunsch, daß die Massen des ungarischen Volkes dem Wiener Beispiele folgen sollten. Gegen diese Aenßerung wandte sich der liberale „Vilag" und wies daraus hin, daß diese in G a l a n t h a bereits günstigen Boden gefunden habe. Straßendemonstrationen erfolgten, wobei sich Banden bildeten, welche die Juden mit Messern anfielen. Polizei und Gendarmerie trafen keine Maßnahmen. Das Blatt protestierte energisch gegen die systematischen Judenhetzer und forderte die Regierung zum Einschreiten aus. Mit Bedauern wurde ferner die Tatsache bekannt, daß der Bischof von Stuhlweißenburg, Dr. Otrokar Protz a s z k a, plötzlich zu den antisemitischen Hetzern übergegangen ist. Er hatte durch seine philosophischen Schriften und seine bedeutsamen Kanzelreden allgemeines Ansehen errungen. Seine Schriften wurden aber von Rom verboten, und es entstand für ihn eine unerquickliche Lage. Prohaszka versöhnte sich dann mit Rom und erhielt, wie der Stuhlweißenburger Oberrabbiner Dt. Steinherz berichtet, für seine reuige Umkehr 3500 Joch Feld. Nach dieser Wendung hat er sich wohl zwecks „Reinigung" — gerade Juden hatten den Bischof in der Oeffentlichkeit überschwenglich gelobt — dem Antisemitismus verschworen. Er hat nun Ende Juni d. I. unter dem Titel „Pro juventute eatholica" einen Hetzartikel veröffentlicht, in dem er, auf angebliche amtliche Daten gestützt, sich dahin äußerte, daß in einem Regiment zur Friedenszeit die Zahl der Juden 3 Prozent betragen habe, jetzt nur 2 Prozent, und daß, je näher man zum Feuer an der Front gelange, desto mehr Christen, je weiter man sich entferne, desto mehr Juden zu finden seien. Der Bischof erhielt sofort öffentlich die nötige Antwort und wurde der Anwendung falscher Daten überwiesen. Der Bischof berief sich dann auf die Angabe eines nicht genannten Obersten. Auch dieser'wurde öffentlich als Lügner bezeichnet, hat sich ober bis jetzt nicht gemeldet. Der in die Enge getriebene Bischof ließ nicht locker. 'Er hatte jedoch mit seinen selbst aus seiner eigenenResioenzstadt angeführten Angaben kein Glück. Seine Daten waren gefälscht, und er' wurde abermals öffentlich gebrandmarkt. Eine gerichtliche Klage gegen diesen Bischof ist, wie uns geschrieben wird, nicht angängig, da er Mitglied .des Magnatenhaufes ist, das seine Immunität nicht suspendieren würde. Es erging an ihn daher öffentlich die Aufforderung, selber die Angelegenheit der Entscheidung des Gerichts vorzulegen; aber er rührt sich nicht und schweigt. Nicht so die antisemitische Presse,