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Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 334

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-09-01
Page
334 (sequence 8)
Language
German
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334 Im deutschen Reich auch das Auge der Militärbehörden geschlossen? Man erlaubt also diesen^ Vertretern des offenen Hochverrates die Agitation zu Mord und Plünderung. In der „Ostdeutschen Rundschau" ist zu lesen gewesen, daß die Schlachta bei den Requisitionen den Behörden offen hohngesprochen und kein einziges Kilogramm Getreide abgeliesert hat. Polnische Legionen haben gegen uns in Rußland gekämpft und kämpfen jetzt in Massen auf der Seite der Feinde in Frankreich. Zu Beginn des Krieges haben die Polen jeden Halm von ihren Feldern der Heeresverwaltung um teures Geld verkauft und von der Haltung einiger polnischer Regimenter im Kriege wird man später noch sprechen. Samt ihren Beamten haben sie Ausstände und Demonstrationen veranstaltet. Diesen Stützen der Gesellschaft und des Staates erlaubt man nun, den inneren Krieg gegen die Juden zu verkünden, offenbar, weil sie sich weigern, am schamlosen Hochverrat der polnischen Ententesreunde teilzunehmen. Natürlich darf im Reigen der Edelsten und Besten unser Freund Kunschak nicht fehlen. Die christlich-soziale Partei des „Gottes Nimm" gehört überhaupt zu den ausgeüeuteten Opfern dieses Krieges. Hohlwangig und gebeugt schleichen unsere Stadtväter durch die weiten Hallen des Rathauses. Es ist nicht wahr, daß sie ebenso wie so viele deutsche Abgeordnete glänzende Lieferungs- und Vermittlungsgeschäfte gemacht haben. Es ist nicht wahr, daß sie ihre eigentliche Aufgabe vergaßen, die Stadt Wien in weiser Voraussicht vor einer Hungersnot zu schützen. Es ist nicht wahr, daß sie selbst fast garnichts tun und alles von der Regierung verlangen. Gewiß, es sind Ehrenmänner, diese Christlichsozialen, und ihr biederer Kunschak ist ihre Blüte und Auslese. Er hat eine Versammlung gegen die Gerüchte über das Kaiserhaus dazu benützt, um blutig gegen die Juden zu hetzen. Wie konnte er sich denn unterstehen, die Juden mit diesen infamen Gerüchten überhaupt in Zusammenhang zu bringen? Er weiß wohl ausgezeichnet, wer die Gerüchtein Wirklichkeit aufgebracht und ausgesprengt hat, und daß diese Uebeltäter seiner Partei nahe stehen, aber Feinde der Juden sind. Das hindert diesen Geistes- und Charakterhelden aber durchaus nicht, seine antisemitischen Unflätigkeiten loszulassen gegen Staatsbürger, deren unbedingte dynastische und vaterländische Treue viel zu hoch stehen, als daß sie noch betont werden müßten. Gerade gegen die staatstreuen Juden wird in Oesterreich-Ungarn gehetzt. Vielleicht, um sie für ihre Staatstreue zu strafen, um die Verwirrung im Staate zu vergrößern, um die Juden des Auslandes gegen die Zentralmächte zu erbittern, um der englischen Propaganda bei uns eine Freude zu machen. Wir Juden in Oesterreich-Ungarn fürchten uns nicht! Wir sind keine russischen Ghettojuden, die sich wehrlos ausplündern oder abschlachten lassen. Wir haben Massen von Menschen unter uns, die an der Front den Kampf gelernt haben, Massen von Menschen, die nach jahrelanger Verzweiflung in den Flüchtlingslagern nichts mehr zu verlieren haben. Wir hoffen nur, daß Kunschak, dessen Bruder von einer Mordtat her schon bekannt ist, und seine Gesinnungsgenossen - bei der Pogromhetze nicht ein paar arme Dummt'öpfe vorangehen lassen, sondern selbst in der ersten Reihe stehen werden, wenn es losgeht. Sie werden uns bereit finden! Inzwischen haben die jüdischen Abgeordneten im österreichischen Reichsrat, Dr. Straucher und Adolf Reizes, eine Reihe von Interpellationen eingebracht, und zwar wegen der Judenpogrome in Galizien, wegen der .Pogrompropaganda in

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