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Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 333

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-09-01
Page
333 (sequence 7)
Language
German
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Umschau 333 Mehrere hundert jüdische Kultusgemeinden haben feierlich und eindrucksvoll dagegen Einspruch erhüben, daß antisemitische Frechheit straflose Agitation für den Mord treiben dürfe. Es läßt sich kaum fassen, daß in Wort und Schrift zur Niedermetzelung und Plünderung der Juden auf tief orbert wird. Man sollte glauben, daß die überstrenge Aufsicht der Behörden über jede Rede und jedes Blättchen solche Ausschreitungen mit leichter Mühe verhindern könnte. Es scheint jedoch, daß die staatlichen Aufseher wieder einmal von ihrem Amt keinen Gebrauch machen wollen, ja sogar die Pogrom gelüste mit Wohlwollen betrachten, weil es sich ja doch nur um die rechtlosen Juden handelt. Welche staatsmännische Weisheit vor allem! Die für die Aussicht bestellten Behörden haben zu wenig Geschichte gelesen, mit zu wissen, daß die größten Aufstände oft aus den kleinsten Unruhen entstanden sind. Sonst würden sie es sich vielleicht überlegen, der Bestie im Menschen den Weg in die Juden gasse frei zu geben. Wer ist es denn, der die antisemitischen Rufe zu Mord und Plünderung aiwstößtd Wie seit urdenllichen Zeiten wollen jene Elemente, die selbst ein schlechtes Gewissen haben und die Rache der Unterdrückten fürchten, die allgemeine Empörung von sich selbst auf die Juden abwälzen. In un;oreu Tagen sind es die Agrarier und ihre politischen Verwandten, welche vor allem nach ehemals russischer Art in die Posaune stoßen. Gerade die Agrarier! Ihr Führer hat vor dem Kriege das Wort zur Parole erhoben: Die serbischen Ochsen sind gefährlich er als die serbischen Soldaten! Auf Kommando der Agrarier wurden jene unglückseligen Handelsverträge abgeschlossen, welche die Feindschaft Serbiens bis zur Siedehitze steigerten. Der Säckel der Agrarier mußte selbst um das Risiko eines Krieges mit Serbien gefüllt werden. Nun aber sollen die Juden die furchtbare Tragödie "herauföeschworen haben! Und als der Brand dann loderte, was haben da die Agrarier in ihrer rücksichtslosen Eigenliebe nicht getrieben. Der Ausdruck fehlt für die Grausamkeit, mit welcher sie die Bevölkerung hungern ließen, sie ausgesogen und sich selbst bereichert haben. 'Noch, heute üben sie ihre schmutzige Herrschaft mit einem empörenden Uebermut aus, und mit dem Vermögen der Bevölkerung in der Tasche lassen sie es lieber zu den schrecklichsten Folgen kommen, als die Gesetze des Staates und der Menschlichkeit zu beachten. Eine zweite Gruppe der Pogromhelden sind die d e u L s ch n a L i o - na len Abgeordneten, die Vertreter der Fabrikanten, welche deutsch fühlen bis aus die Knochen, aber nicht bis aus die Tasche, und srisch-fromm-froh-frei auch slawische Arbeiter anstellen, wenn diese um ein paar Heller billiger sind. Man gebe doch den Prozentsatz der jüdischen’Industriellen an, welche den Milliordenregen des Aerars für Heereslieserungen in ihre Taschen geleitet haben. In überwältigender Mehrheit sind es arische Fabrikanten, für deren Reichtum die Steuerzahler der Zukunft werden keuchend aufzukommen haben. Nur Brosamen sind von diesem reichen Tisch an die Juden gefallen, aber die deutschen Abgeordneten wollen letztere trotzdem den wildesten Instinkten des ' Pöbels ausllefern, da mir öle deurjchen Industriellen verschon: bleiben. Hervorragende Nebenbuhler in dieser Kunst der schamlosen Judenhetze sind natürlich die A l l y v l e n. Vor uns liegen Proklamationen mit der Aufforderung zum Pogrom gegen die polnischen Juden, die am helle:.! Tage verbreitet werden, und selbst im deutschen Reichstag wurde von ihnen gesprochen. Wenn man sich an den Bezirkshanptrriann wendet, der meist selbst ein Allpole ist, so erklärtdieser, nichts machen zu können, weil er keine Weisungen habe. Bleibt vielleicht-

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