Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 332 (sequence 6)
- Language
- German
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332 Qm deutschen Reich -- gefordert worden; nicht etwa in einem rauchimb ülkoholerfüllten trüben Versammlungslokal, sondern (am 16. Juni)' im Rathaus aus einem feierlichen Volkstag im Beisein des Negierungsoertreters und unter dem Vorsitz des 1. Bürgermeisters von Wien, unter der heuchlerisch ausgesteckten Mahner Treue zur habsburgischen Dynastie. Der Vorwand für den Volkstag war nämlich, gegen bösartige Gerüchte über das österreichische Kaiserhaus öffentlich Stellung zu nehmen. Christlich-Soziale und Deutsch-Nationale, die sich sonst gegenseitig die Haare ausreißen und sich benehmen wie Katze und Hund, fanden sich brüderlich aus dem gemeinsamen Boden der Judenhetze. Hauptredner waren der Abg. K u n s ch a l und der als Antisemit längst bekannte K. A. W o l s, der es, nebenbei bemerkt, vermied, auf dem Bolksiäg zu erzählen, daß sein Sohn, vor: der Mutter im englischen Geiste erzogen, nach der Versicherung des „Neuen Wiener Journals", in den Reihen der englischen Kämpfer gegen Deutschland steht. Leute mit den echt deutschen Namen Kumchak und Jerzabek — man erinnere sich auch der echt deutschen Namen Bielohlawek und Vergani — stacheln unausgesetzt die aufgewühlten Leidenschaften in dem zerrissenen Oesterreich gegen die Juden aus. Die tschechischen Landesverräter werden geschont. Die ,,R eichspo st", das einflußreiche Organ des Wiener Erzbischofs und des höfischen Hochadels, die „Ostdeutsche Rundschau" des vorhin erwähnten Herrn Wolf überbieten einander in bösartigen Verleumdungen der Juden. Der hohe geistliche Würdenträger hat der „Neichspost" trotz wiederholter Aufforderung seine Protektion bisher nicht entzogen. Seine Macht ist auch seltsamerweise so gering, daß er „sein" Blatt nicht zu einer anständigen Kampsesweise veranlassen kann. Oder will er es nicht? Predigen doch auch österreichische Geistliche direkt von den Kanzeln den Judenhaß. Es handelt sich hier nicht um eine sogenannte „fröhliche Hetz", sondern um einen kaltblütig berechneten Kriegsplan. So haben denn endlich rund 400 israelitischeKultnsgemeinden, voran dieWiener Gemeinde, sich ausgestaffi und eine gleichlautende Erklärung angenommen, die wir ihrer Bedeutsamkeit wegen an besonderer Stelle wörtlich zum Abdruck bringen. Ihre Tendenz kann mit kurzen Worten bezeichnet werden: „Bis hierher und nicht weiter! Hören die Hetzereien nicht auf, so schreiten wir zur Selbsthilfe." Ich möchte an dieser Stelle einen Oesterreicher über diese Kundgebung sprechen lassen in der Annahme, daß auch die Leser es vorziehen werden, statt einiger an einem Berliner Schreibtisch niedergelegten Betrachtungen das zu hören, was einer vom „Kriegsschauplatz" selbst schreibt. In Dr. Blochs „Oesterreichischer Wochenschrift" vom 2. August wird unter der Ueberschrift „Aus zum Pogrom" ausgeführt: