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Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 331

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-09-01
Page
331 (sequence 5)
Language
German
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Umschau - SB! nicht genesen. Wir werden die bisher im Interesse des inneren Friedens und des Vaterlands geübte Rücksicht ausgeben müssen, wenn der Burgfrieden weiter von gewerbsmäßigen Wühlern nicht nur, sondern auch von angesehenen, einflußreichen Personen gebrochen wird und gebrochen werden darf. Falls die behördlichen Instanzen nicht die Machhaben oder sie nicht ausüben, die deutschen Juden wahrend des Krieges vor Verunglimpfungen zu schützen, so daß sie einem geistigen und anderem Pöbel als Freiwild hingestellt werden, so wollen wir wenigstens annehmen, daß auch uns von der Zensur nicht in denArm gefallen werden wird, wenn wir uns gezwungen sehen, von vereinzelter Abwehr zu stärkerer allgemeiner Gegenwehr und zum Angriff überzugeh-en. Das Maß ist nahezu voll und will überlaufen. In Oesterreich laust es bereits über, und das hat unsere dortigen, sonst so geduldigen Glauoensbrüder zu einer mannhaften Kundgebung an die Negierung gedrängt. Oesterreich ist ein heißer Boden. Der NatioualirLtenstreit zerreißt das Staatengebilde, das aus vielen Wunden blutet. Es fehlt seit Jahrzehnten die feste Hand. Es wird von der Regierung — der Ausdruck ist österreichischen Gepräges — fortgewurstelt. Krasseste Gegensätze reichen sich dort die Hände: neben feinschmeckerischer Kultur recken sich Brutalität und Urtriebe; neben weicher kapuanischer Kunst rasen gellende Ruse von Fanatikern: neben der sprichwörtlichen österreichischen Gemütlichkeit, die schon aus dem Dialekt klingt, stößt man auf rohen Haß, der sich am liebsten in Handgreiflichkeiten entladen möchte. Je länger der Krieg dauert, desto heftiger geraten Deutsche, Tschechen und Polen gegeneinander, desto häufiger spürt man unterirdische Erdstöße, um so vernehmlicher grollen Haß und Zor'n einer notleidenden Bevölkerung. Zündstoff ist übergenug vorhanden. Aber wozu hat man die Juden? Gegen sie mögen die Minen explodieren, auf daß die anderen ihrer heilen Glieder sicher bleiben. Eine Probe von der verwüstenden Art der Judenhetze im benachbarten Kaiserreich haben wir in der vorigen Nummer unseren Lesern zu kosten gegeben. Es war die Festrede des Prof. Edgar Meyer aus dem Volkstag zu Sterling in Tirol. Die österreichische Zensur, sonst gegenüber Judenbeschimpfungen von großzügiger Laxheit, hat, vermutlich weil sie auch gegen die Tschechen gerichtet war, ihren Abdruck verboten. Doch die „Alldeutschen Blätter" in Berlin dursten den Unrat auf den reichsdeutschen Markt tragen. — Dem Krakauer Pogrom sind andere Pogrome.gefolgt. Wilde, aufreizende Reden werden auf Volkstagen und in Volksversammlungen in die Menge, geschleudert, imb selbst in Wien — es gibt nur a Kaiserstadt, es gibt nur a Wien! sang einst der Wiener mir Stolz — ist zu Pogromen auf-

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