Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 330

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-09-01
Page
330 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316876-2316884--28913-2354553
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

330 Im deutschen Reich fahrvollsten Zeit, in der das Deutsche Reich, und insbesondere Preußen, gegen die von Haß vervielfachten Kräfte einer Welt sich seines Lebens zu wehren hat, und die r e st l o s e H i n - gäbe allersein er Glieder, welches Bekenntnisses auch immer, braucht. Es ist kein Zeichen von Kultur, kein Zeichen von staatlichem Pflichtbewußtsein, vor allem kein Zeichen des Deutschtums, wie wir es auffassen, ungerecht zu sein, undankbar zu sein, Unterdrückungslust gegen eine friedliche Minderheit zu .zeigen, Lügen zu verbreiten, Verleumdungen zu erfinden, Leidenschaften gegen Glieder desselben Volkes -auszustacheln. Und es ist das Gegenteil von Vaterlandsliebe dies wahrend eines so entsetzlichen Krieges zu tun, in dem die Wage der Gerechtigkeit schwankt und die Schale-Deutschlands heftig erzittert, weil gegen siv mit Wucht Verleumdungen, Lügen, aufgepeitschte Leidenschaften schlagen — Verleumdungen, Lügen, aufgepeitschte Leidenschaften der Völker des Erdballs gegen die Deutschen genau so, und genau so ungerecht wie innerhalb der schwarz-weiß-roten Pfähle, sogar innerhalb der mit alldeutsch-antisemitischen Pamphleten überschwemmten Front gegen die Indent Wer das Treiben der Antisemiten während des Krieges verfolgt hat, dem steigt Zorn und Schamröte über ein solchesDeutschtum ins Gesicht. Es wird aber dem Antisemitismus, seinen eigensüchtigen Förderen, seinen Hilfstruppen nebst seinen Landsknechten der Feder nicht gelingen, uns Juden von unseren Pflichten gegen ein Vaterland abzuhalten, in dem wir derart geschmäht, verleumdet, verunehrt und einem Pöbel als pogromreif hingestellt werden dürfen. Das allenfalls werden sie, wie wir hoffen, erreichen, daß das Judentum zusammen geschweißt wird. Zeigt mir der 'Freund, was ich kann, zeigt mir der Feind, was ich soll! Was ein „Volk in Not", auch ein kleines, leisten kann, lehrt die Geschichte. Wir drohen nicht damit, wie es in dem unglücklichen Oesterreich geschieht, daß wir Juden im Felde den Gebrauch der Waffe gelernt haben und wir nicht mehr eine wehrlose, kriegsungeübte Masse sind. Gegen Pogromhelden gibt es allerdings kaum eine andere Hilfe als die der Gewalt — doch wir kennen die moralische Gesundheit und Unverderbtheit der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes zu gut, als daß wir auch nur einen Augenblick befürchten, es könnte bei uns zu regelrechten Judenverfolgungen und -Plünderungen kommen. Wenn aber die Hetze nicht nachläßt, werden wir rücksichtslos dem Feind ins Gesicht leuchten und unseren Mitbürgern zeigen, wo die Volksbedrücker, wo die Volksverderber, wo diejenigen sitzen, die den Namen Deutschlands nicht nur bei uns, sondern in der Welt schänden. An solchem deutschen Wesen wird die Welt wahrlich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.