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Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 329

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-09-01
Page
329 (sequence 3)
Language
German
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umschau 329 gezwungen, als die Gegner an ihren Erdrosielungsplanen festhalten. Die andere Seite, die Regierungen unserer Gegner, haben nur den unsittlichen Grund: Lander zu schlucken, Deutschland als Handels- und Industriestaat verkümmern zu lassen, ihm wichtige Lebensadern .abzuschneiden, es auf dem „freien Meer" unter Kontrolle zu stellen. Was gelten aber Milche und unsittliche Gründe in Zeiten der brutalen ultima ratio, in Zeiten, in denen Mitleid und Menschlichkeit dahinsiechen,, die Begriffe von Recht und Unrecht ans den MarmoÄaseln der Justitia fortgemeißelt sind! Deutschlands Starre gegenüber den an Zahl übermächtigen Gegnern liegt in feinem guten Gewissen. Dies soll und muß uns erhalten bleiben! In diesen ernsten Augnsttagen, in denen sich auch im Osten trotzFriedensschlüssen unheilschwangereWolken zusammen ballten, zwei unserer amtlichen Vertreter ermordet wurden, England und Amerika an der Murmanküste Truppen landeten und auch Japan sich sprungbereit zeigt, aus dem Chaos in Rußland gleichfalls Nutzen zu ziehen, las man in alldeutsch gerichteten Blättern die besorgte Mahnung, jetzt gelte unreines: „Geschloffen gegen den^ä u ß eren Feind!" Für uns war dies von Beginn des Krieges an eine Selbstverständlichkeit, aber nun müssen wir deutsche Juden den Mahnern zurufen: Wo ist euer gutes Gewissen? Ihr habt schwer zu verantwortende Schuld aus euch geladen, und ladet weiter diese Schuld aus euch, da ihr christliche Deutsche gegen jüdische Deutsche aushetzt, nicht einmal, sondern fortgesetzt und planvoll, nicht aus einem sittlichen Grunde, sondern — es ist keine andere Erklärung zu finden — ans Zweckmäßigkeits- und Feigheitsgründen, um den berechtigten Unwillen des leidenden Volkes über schmähliche Auswüchse im Innern aus die Juden abzuwälzen! Wir Juden tragen dieselben Nöte wie ihr, wir haben dieselben Entbehrungen, dieselben behördlichen Einschränkungen zu erdulden, dieselben Opfer zu leiden. Auch jüdische Mütter trauern um gefallene Söhne, auch jüdische Väter bezahlen den Schutz ihres Vaterlandes mit ihrem Leibe und ihrem Leben und lassen unmündige Kinder ohne Ernährer zurück. Doppelt aber ist das Leiden der Juden. Ihr wißt — das ist euch Trost und Erhebung — daß ihr rar die Zukunft des Vaterlandes känrpst und leidet, dessen Gedeihen mir dem euren und eurer Kinder Wohl verknüpft äst. Uns aber will man in diesem unserem Vaterlands, für das wir kämpfen und leiden trne ihr, die Stellung von Bürgern zweiten Grades zuweisen, uns will man unter Fremdenrecht stellen, man möchte womöglich das Schutzsudentum und den Leibzoll wieder einsühren. Und man hat die Ge» wisienlosigkeit, solche Forderungen zu stellen in der ge-

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