Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Nation und Nationalität
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 326 (sequence 6)
- Language
- German
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328 IM deutschen Reich noch nicht einmal idealiter. Abgesehen davon, daß einer künstlichen Staatsbildung die Tatsache widerstrebt, daß die Juden in den einzelnen Nationen verschieden assimiliert sind und selbst in ihrer überwiegenden Mehrheit ein solches Streben mit Entschiedenheit ablehnen würden, sie gäben auch die erste Nation ab, in der Nationalität und Nation Zusammenfällen. Solange der Staat bestand, kämpften sie heldenkühn und verzweifelt für seine Existenz. Mit der Stunde seines Unterganges hingegen fühlten die geistigen Führer des Volkes, daß nunmehr die Nationalität allein berufen sei, den Mensch heitswillen der prophetischen Lehre wahr werden zu lassen. Sie substituierten der Nation die Nationalität, die sich durch die religiöse Ueberlieferuug, die Kultussprache und den Kultus selbst darstellt, während in Hinsicht auf die Erhaltung der Blutreinheit die Abschließnng in Ghettos, die bürgerliche Zurückstellung in den verschiedenen Nationen Europas förderlich wirkten. Es läßt sich vermuten, daß die geistige Assimilation, von der wir bei der Betrachtung der anderen Nationalitäten in den Nationen als notwendige Voraussetzung für den Bestand des Staates gesprochen haben, auch bei den Juden viel eher eingetreten wäre, wenn die Emanzipation früher ausgesprochen worden wäre. Diesist ja in vielen kleinen Staaten des Mittelalters auch geschehen und von großen Kaisern versprochen, sogar verbrieft worden. Aber die nationale Zerklüftung machte durch die politischen Sonderinteressen und das Fehlen des einigenden Reichsempfindens die Majestät des Kaisers zunichte, so daß die Juden, wie ein verschrobener, eigensüchtelnder Parteistandpunkt es heute noch gerne sehen will, sozusagen bis in die Gegenwart hinein unter der politischen Zerrissenheit und dem kleinnationalen Partikularismus früherer Jahrhunderte in Deutschland leiden müssen. Allen Kulturidealen und Zivilisationsbestrebungen, die diesen Krieg aus Deutschlands Seite zu einem naturnotwendigen Bedürfnis gemacht haben, spricht diese Anschauung hohn, die ja das sittliche Volksempfinden nicht mehr revolutionieren kann. Auch ist es sehr beliebt, weittragende Niederträchtigkeiten einzelner Juden auf ihre Allgemeinheit auszudehnen, selbst dann, wenn sie im Auslande wohnen und mit den deutschen Juden nichts mehr gemein haben als das Zeichen der religiösen Zusammengehörigkeit. Will man nicht etwa auch die deutschen Juden für die Schliche und Hinterhaltspolitik des Anarchisten Trotzki verantwortlich machen? Die ausgleichende Gerechtigkeit würde es dann eher gebieterisch fordern, daß alle Angelsachsen in unserem Lande wie brutale Feinde behandelt werden oder die hessischen Straßenkehrer und süddeutschen Hammelschläckter in den Straßen von Paris, die zum Schutze ihres eigenen Körpers ihr deutschnationales Empfinden verschweigen müssen, an ihren Familien