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Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 325

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
Nation und Nationalität
Date
1918-09-01
Page
325 (sequence 5)
Language
German
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Nation und Nationalität 325 des buntscheckigste Staaienbild ergeben, das noch das Kleinstaatemum des Mittelalters übertrifft. Es ist nur dort anwendbar, wo relativ rein verbliebene Nationalitäten, die zur Nation gebildet ein politisch lebensfähiges Ganzes ansmachen, auf Selbständigkeit drängen, wie z. B. die Polen. Während die Großrussen in Mittelrußland alle Bewohner des östlichen Europa, so verschiedener Nationalität sie auch gewesen sind, zu einer Nation vereinigen konnten, haben die Polen und Litauer sich gegen jede Assimilation gesträubt und ihre Nationalitatsmerkmale und nationalen Wünsche niemals ausmerzen lassen. Es war daher berechtigt, auch vor dem Kriege von einer „polnischen Nationalität in Posen" zu sprechen, wie die preußische Regierung es wirklich tat. Ob aber im Gange der Geschichte die polnische Nation wird bestehen können, läßt sich allein schon aus geographischen Gründen stark bezweifeln. Das Reich besitzt nur Zufallsgrenzen und wird wie das Reich des große« Alexander und Napoleons oder Dschiugis Khans eine Generation oder ein Jahrhundert bestehen können, wenn nicht internationale Beschlüße die territoriale Expansion der Staaten in Europa unterbinden. Die Weigerung zur Assimilation haben auch bis heute in Deutschland vereinzelt die Nationalitäten betrieben. In der Nähe von Halle, den Dörfern Schkopau, Arnmendorf u. a„ leben noch guterhaltene Sorbentypen, die sich durch bestimmte Körperinale, durch Schädel- und Gesichtsschnitt auszeichnen. Ohne blutgemischt zu sein, ist dieses fast ganz assimilierte Sorbenvolk der Nation innerlich so eingefügt, daß es sich jede Gesinnungsbezweiflung entschieden verbitten würde. Größer noch ist die Zahl der Wenden im Spreewalde. Wo ist hier die Blutmischung? Nach Tracht, Sitte und privater Sprache haben die Spreewälder ihre spezifischen Volksmerkmale getreu ererbt und wachen darüber, daß in ihrem Gebiet der Zuzug oder die Verschmelzung mit andere» Volksteileu nicht vor sich geht. Wohl wandern, durch die Nähe Berlins bewogen, beträchtliche Bestandteile aus, so daß die Wenden in nicht allzuserner Zeit „ansgemagert" sein werden. Dehnen wir mm die Desinitionen auf die Juden aus. Erziehung oder persönliche Abneigung waren und sind für viele deutsche Kreise maßgebend, die Juden als Glieder einer fremden Nation zu erklären und demzufolge ihnen die Gleichstellung mit den übrigen Bürgern des Staates abzusprechen. Wenn den angeführten Beispielen nach die Richtigkeit der gegebenen Begriffserklärung von Nation und Nationalität nicht"abgestritten werde» kann, so läßt sie sich in erhöhtem Maße bei diesem letzten Falle Nachweisen. Nur so lange kann ein Volk eine Nation bilden, als es gesicherte, feste Staatsgrenzen besitzt. Dies ist bei den Juden nicht nur realiter nicht der Fall, sondern

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