Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Nation und Nationalität
- Date
- 1918-09-01
- Page
- 327 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316876-2316884-2354464--28908-2354550- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau 327 gerächt werden. Wennschon die Juden Deutschlands ihre Kultussprache, ihre religiösen Bräuche wahren und einer Nationalität angehören, die sie ebenso von den übrigen Nationalitäten sondern wie diese untereinander geschieden sind, kommt ihnen daher nicht die staatsbürgerliche Stellung ebenso zu wie den übrigen, solange sie — wie dieser Krieg es gezeigt hat — ihre nationalen Pflichten zu würdigen und zu betätigen verstehen? Wer denkt daran, die deutschen Katholiken, die auch ihre besondere lateinische Kirchensprache, die Zeremonien und Bräuche eines von hen Protestanten verschiedenen Bekenntnisses üben, national auf her Menge der Staatsbürger herauszuheben? Die Gefühls- und Bewußtseinswerte, die in den Zeiten der nationalen Erhebung in gesteigerter Intensität sich zeigen, geben der Nationalität den nationalen Charakter. Ihre Betätigung von seiten der Juden, die niemand in Zweifel zu ziehen berechtigt ist, macht sie zu treuen Gliedern der deutschen Nation, für deren Errichtung, Festigung und Verteidigung jüdisches Blut in Strömen geflossen ist. Dies ist auch im Sinne des großen Kanzlers, mit dessen Anschauung über die behandelten Begriffe wir uns eins erklären. Am 1. April 1895 sagte er in einer Rede: „Man muß in allen Kämpfen, sobald die nationale Frage auftaucht, doch immer einen Standpunkt haben, und das ist für uns das Reich, nicht wie es gewünscht werden könnte, sondern wie es besteht!" Dieser Anschauung war seine Politik ergeben. Gerade heute dürste sie eher wieder erstehen als ersterben. Amschau. In dem Leben der Völker gibt es, wie im Leben des Einzelnen ein Auf und Ab. Mancher jäh aufsteigende Lebenslaus stürzt plötzlich in Niederungen. Mancher ringt sich mühsam nach oben, wird zurückgeworfen, ringt weiter. Deutschlands Weg führte allmählich zur Höhe. Jetzt muß es um die Höhenstellung gegen eine Ueberzahl von Gegnern kämpfen. Es ringt um mehr als die alte blühende Entwicklungsstufe, es ringt um seine Daseins- Möglichkeit als unabhängiges, freies Volk. Mit dem Schicksal des Weltkrieges ist jeder einzelne Deutsche verknüpft, und das Auf und Ab des Ringens schleudert seine Wellen in die Herzen aller. Nach drei siegreichen Offensiven Hmdenburgs mißglückte der Angriff an der Marne, und am 8. August folgte der englischfranzösische Anprall östlich und südöstlich von Soissons, der eine stärkere Rückwärtsbewegung zur Folge hatte. Das Vertrauen auf die Unüberwindlichkeit unseres Heeres unter seiner überlegenen und sieggewohnten Leitung war so