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Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 324

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
Nation und Nationalität
Date
1918-09-01
Page
324 (sequence 4)
Language
German
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m Im deutschen Reich durch die abgeschlossene Lage infolge der Moore den Westgermanen des Festlandes säst bis aus den heutigen Tag fernergehalten als den Angelsachsen der gegenüberliegenden Insel. Auch die Niedersachsen, zumal diejenigen, die zu den Angelsachsen Schleswig-Holsteins gehörten, stehen an den Küstenländern den Engländern näher als den Hochdeutsche!!. Die Franken, Hessen, Thüringer, Alemannen, Bayern und Langobarden, die ehemals zur Einheit strebten, fühlten sich durch eigene Staatsoerbände als selbständige Völker. Und wenn bis auf den heutigen Tag diese Volkselemente ihre Eigenarten wahrten, so hat sie das politische, das nationale Band zu einer Einheit verschmelzen lassen. Der Begriff Nation ist seiner grammatischen und lexikalen Bedeutung allen bestehenden Beispielen nach erledigt und hat mit .,natus“ nichts mehr zu schaffen. Der Begriff ist ein realer, ein Interessen- und Gefühlsbegriff geworden, wenn man will, ein Bismarckscher. Denn der große Kanzler hat in zahlreichen Reden diesen Gegenstand gestreift und in negativem Sinn im Reichstage einmal erklärt, „ein Deutscher, der sein Vaterland abstreift (d. i. darauf verzichtet, im Fühlen, Denken und Wollen ihm anzugehören, wiewohl er seiner Abstammung nach ihm zugezählt werden müßte) wie einen alten Rock, ist für mich kein Deutscher mehr, ich habe kein landsmannschaftliches Interesse mehr für ihn". Auch der große stanzösische Anthropologe Qualrefages antwortete derzeit Napoleon: ..Vouts repartifcion politique. fondee sur Fethnoiogie, est absurds!" Nicht Abstammung, Sitten- oder Sprachverwandtschaft bilden die Nationen, sondern räumlich und geographisch festgefügte Grenzen nach außen und die in friedlich-brüderlicher Gemeinschaft lebende und strebende Volksmenge, homogen durch Erziehung und Anschauung, heterogen nach ethnischer Abkunft, nach innen. Von der Nation geschieden ist die Nationalität. Nationalitäten bilden die Nationen, Nationen aber keine Nationalitäten. Das äußere Merkmal der Nationalität ist identisch mit den Anzeichen der Rasse, die sich durch Körperbildung, Lebensgewohnheit, Sitten und vielleicht Sprache oder Sprechart kundiun. Wir haben gesehen, daß dieselben Nationalitäten durch verschiedene Nationen aufgesaugr wurden, indem sie die bewußte Innerlichkeit dem nationalen Einheitsrumpf einfügten, die Rassenakzidentien jedoch unbewußt durch äußerliche Gewohnheit fortpflanzten. Die Kelten Frankreichs gehören zugleich vier verschiedenen Natiouen au: Frankreich, Spanien, Italien und England. Ebenso sind die Deutschen auf sämtliche europäische Nationen ausgedehnt. Es verhalten sich füglich Nation und Nationalität zueinander etwa wie Form uud Inhalt. Wollte daher der Frieden das Nationalitätsprinzip allein gelten lassen, so würde die Welt und besonders Europa

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