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Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 323

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
Nation und Nationalität
Date
1918-09-01
Page
323 (sequence 3)
Language
German
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Nation und Nationalität 323 in denen die geistige Angleichung sich schwach durchsetzt, haben keinen Anspruch darauf, eine Nation genannt zu werden. So z. B. heißt der Reichsname der durch die brasilianische Republik geeinten verschiedenen Völkertppen „Estados Unidos de Brazil", ohne daß sie eine wirkliche Nation ausmachen. Die Ureinwohner, die Indianer vom Amazonas bis Jacuhy, blieben im Innern Indianer und seinden die Regierung ständig an. Die Gegensätze der eingewanderten Europäer, Deutsche, Spanier, Franzosen und Polen, sind im mindesten nicht einmal beseitigt, und wie sie unter sich abgesperrt sind, so schließt sich der echte Lusobrasilianer ihnen wiederum aus. Auch diese letzteren haben ihre völkische Eigenart in den kleinen Schattierungen wohlbewahrt und zerfallen nach Sitte, Sprache und Interessen in hart voneinander geschiedene Teile. Daher sind sich die Brasilianer darüber klar, daß der Zerfall ihres Staates nur eine Frage der Zeit ist. Anders in Frankreich. Hier sind die fremdblütigsten Elemente zu einem festen Nationalkörper vereinigt. Belgier, Engländer, Deutsche, Schweizer, Italiener, Spanier, Basken haben die ehemaligen Kelten, die durch iberische Aquitanen, nichtkeltische Ligurer und Belgen vermehrt wurden, nach und nach aufgefüllt, und nach einer Statistik Ravensteins ist erwiesen, daß heute noch Frankreich zur Ergänzung der aussterbenden Bevölkerung einen ausgleichenden Zuzug aus allen europäischen Nationen erhält. Wollte man also an Frankreich den Maßstab der Blutsverwandtschaft anlegen, so würde die streng geschlossene „grande Nation" ein zerrissenes Völkergemisch darstellen. Auch England ist ethnisch mannigfach zergliedert. Die deutschen Angelsachsen vermischten sich mit den eingeborenen Kelten, die unter Wilhelm dem Eroberer noch einen Zuschuß von 53 000 Normannen erhielten, ein für die damalige Bevölkerungsdichte erheblicher Einschlag. Durch die gesonderte maritime Lage Englands sind diese im wesentlichen deutschvölkischen Volksteile zu einer Sondernatiou von derartiger innerer Angleichung geworden, wie sie kein anderes Land in Europa aufweisen kann. Selbst die über das ganze Erdenrund verteilten Kolonien mit Volksb estandteilen jeder ethnischen Gruudbildung sind bei der Schonung der Sonderinteressen der Völker zu einer großen Nation zusammengefügt worden, so daß man wörtlich von einem „Mutterlande" und „Töchterländern" sprechen kann, die verbunden „Greater Britain" heißen und einen wirklichen Nationalkörper darstellen, dessen Herz in Europa liegt und dessen Glieder sich in ungeheurer Ausdehnung nach allen bewohnten Zonen hin erstrecken. Auch in Deutschland sind zahlreiche Volksgruppen national geeint. Die Friesen im Marschlan.de der Nordseeküste haben sich

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