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Im deutschen Reich · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. 322

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
Nation und Nationalität
Date
1918-09-01
Page
322 (sequence 2)
Language
German
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LZ2 Im deutschen Reich Politik bedeutet, daß diejenigen Völker, die ihrer ethnographischen Zusammengehörigkeit nach, soweit sie ganz oder teilweise Glieder fremder Nationen bilden, wieder zur eigenen Nation ausgerichtet werden sollen, wo hingegen „deutschnational" bald „völkisch" oder „alldeutsch", bald „streng umrissenes deutschpatriotisches Fuhlen und Denken" bezeichnet, je nach Art und Richtung der Zeitung oder des Mannes, die sich dieser Bezeichnung bedienen. Abgesehen davon, daß diese Begriffe im Auf und Nieder unseres nationalen Werdens mancherlei Umdeutungen erfuhren, haben zwei hervorragende Männer im Ansange des vorigen Jahrhunderts fast zu gleicher Zeit Entgegengesetztes unter ihnen verstanden. Während Schiller ausrief: „Zu einer Nation euch zu bilden, ihr hofft es, Deutsche, vergebens!" hielt im Anblicke der französischen Garden Fichte seinen glühenden „Appell an die deutsche Nation". Bevor ich zur Erläuterung der Begriffe schreite, will ich ihren Inhalt definieren. Nation hat in keiner Beziehung mehr den wörtlich-grammatischen Sinn, etwa die durch Abstammung und Blutsverwandtschaft gebildete und durch Sprache, Sitte und Gewohnheit umgrenzte Volksmenge, sondern bedeutet lediglich eiu durch feste Grenzen gesichertes, auch ethnischheterogenes Volksganzes, das im friedlich-brüderlichen Gemeinschaftsleben seine Wurzel, in der Sicherung und Festigung der Gemeinschaft seine Existenz und Zukunft sich schafft. Nationalität hingegen, die heute so oft mit Nation verwechselt wird, heißt die Zugehörigkeit zu einer völkischen Einheit, die, ohne sie rein gewahrt zu haben, aus Blutsverwandtschaft sich stützt und durch Sprache, Denkart, Bräuche und Sitten real in die Erscheinung tritt. Diese Definitionen sind nicht akademisch, sondern den vorhandenen Beziehungen der Menschen zueinander angepaßt und geben dem Logiker oder Philologen mehr Anstoß als dem vorurteilsfreien Realpolitiker. Ihre Sinnerklärungen wollen wir mit Berücksichtigung der naheliegendsten Beispiele zu erweisen suchen. Weit über die gewöhnliche Annahme hinaus sind die großen Nationen, die heute miteinander im blutigen Kriege stehen, ethnisch betrachtet bunt zusammengewürfelt. Trotz des erstarkten Gemeinschaftsgefühls derer, die nach Abstammung und Denkart völkisch zusammengehören, bekriegen sich auf allen Fronten sog. „Brudervölker". Was all diese Nationen in ihrer ethnischen Mannigfaltigkeit zu einer Macht- und Willenseinheit eng vereinte, istalsonichtdie Abstammung, sondern die gei stige Assimilation, die bestimmend auf das Fühlen, Denken und Wollen der eirrbezogenen Volkselemente einwirkt und die mangelhafte Blutsgleichheit durch eine feste Jmerefsengleichheit ersetzt. Staaten,

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