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Im deutschen Reich · 1918-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1918) · p. 301

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1918)
Article
Juden in Landwirtschaft und Gärtnerei
Date
1918-07-01
Page
301 (sequence 4)
Language
German
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Juden in Landwirtschaft und Gärtnerei 301 von gestern auf heute ist bei Erwachsenen so gut wie ausgeschlossen; so wird die Arbeit der Beratungsstellen hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich, bei der Jugend einz-usetzen haben. Die Geistlichkeit und die Lehrerschaft werden zur Mitarbeit aufgerufen; an dieser wird es sicher nicht fehlen. In Schulen, auf Kanzeln wird die erforderliche Aufklärung über zurzeit überfüllte Berusszweige, wie über solche, die ein Fortkommen im Leben eher versprechen, gegeben; aber eben Lehrer und Rabbiner kennen aus Erfahrung nur zu gut die Vorurteile, die ihren Ratschlägen entgegenstehen. Vor allem ist es die Ungewohntheit des Reuen, die Eltern widerstehen läßt, hier, wo es sich um Zukunft und Lebengslück ihrer Kinder handelt. Was Wunder, daß einfach die ausgetretenen Gleise, der Kaufmanns- und Händlerberuf, die akademischen Berufe, die bislang uns offenstehen, gewählt werden, ohne daß danach gefragt wird, ob später nicht mit Ueberfülluna zu kämpfen sein dürfte. Erschreckend groß wird auch die Zahl weiblicher Gymnasiastinnen und künftiger Studentinnen bei uns Juden. Der unvergessen bleibende M. Lazarus sagt in seiner Schrift: „Was heißt national?" sehr treffend: das Geheimnis der Tüchtigkeit, des leichteren Fortkommens des Bauern, des Handwerkers ist, daß die Fertigkeiten in diesen Berufsarten zumeist vom Vater auf den Sohn überkommen sind. Wo dies bei uns nicht der Fall ist, stechen die jüdischen Kreise diesen Berufsarten, gewiß mit Ausnahmen noch so unendlich fern! Naher schon liegen uns die technischen Berufsarten, Elektrotechnik und Maschinenbaufach, in denen ererbte jüdische Intelligenz und findiges Wesen schon eher ein lohnendes Feld finden, wie denn tatsächlich die Hochschulen und sonstigen technischen Lehranstalten einen immerhin nicht unbeträchtlichen Prozentsatz jüdischer Studierenden aufweisen. Ebenso sollten die mittleren Beanftenstellen für das Verwaltungsfach in Staat und Kommune, entsprechend dem Aufruf der Beratungsstelle, Anziehungskraft aus unsere Kreise ausüben. Hauptaufgabe bleibt aber in der Jetztzeit, einen größeren Prozentsatz jüdischer Jugend (die weibliche nicht ausgenommen) der Landwirtschaft, dem Gartenbau voran, Zufuhren zu helfen, womit auch der körper* lichen Ertüchtigung gedient wird. Dann aber müßten viel mehr Schulen dafür geschaffen werden, als wir zurzeit besitzen; die Resultate, nicht zuletzt die materiellen Ertragnisse, die auf den dazugehörenden Anbauflächen erzielt würden, könnten eher die Zurzeit noch bestehenden Barurteile besiegen, und einen größeren Zugang zu Landwirtschaftsöerufen sichern. Wir besitzen inj Süddeutschland gar nichts Aehnläches, wie es der Nordwesten an den Instituten in Ahlem bzw. in Steinhorst besitzt. Ein Airfang von Oekononnebetrieb ist auch schon da, eine Anzahl von jüdischen Händlern besitzt ein paar Morgen W i e s e tt g r u n b , der von ihnen selbst bewirtschaftet wird, zur Gewinnung der Futtermittel für das Vieh. Daneben bestehen zahlreiche Hausgürten, deren ökonomische Bedeutung unseren Frauen und Mädchen zumal jetzt in der Kriegszeit wohl erkennbar wird, so daß man sich jetzt willig vielfach den Arbeiten im Garten unterzieht. Man sollte meinen, daß von da bis zum. Ergreifen des Gärtnerin nenöerufes nur ein Schritt wäre, der bei der Unsicherheit der Zukunft unserer weiblichen Jugend, bei der wachsenden Ungewißheit späterer Verheiratung, für viele Mädchen lockend sein müßte. Gartenbau als Beruf ist für uns das Näherliegende; vom Gartenbau sich zu ernähren, wird dem rein bäuerlichen Berufe, wenn nicht besondere Gründe für letzteren sprechen, vielfach vorzuziehen sein, schon wegen der Möglichkeit sich in der Nähe der Großstadt oder doch wenigstens einer Stadt anzusiedeln. Der Ruf nach Garte n b a u s ch u I e n ist dringend. Hat ihre Errichtung immerhin ökonomische Schwierigkeiten für Private, die ihr Kapital

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