Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Article
- Pro Palästina
- Date
- 1918-07-01
- Page
- 297 (sequence 3)
- Language
- German
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Pro Palästina 297 Christen rekrutieren, sich keineswegs von zionistischen Beweggründen leiten lassen. Für sie ist und bleibt der deutsche Jude, der nun einmal nicht Hebräisch, sondern Deutsch als Muttersprache spricht dessen Bildung, Kultur und Sitte deutsch sind, der daran witarbeitet — und wie unendlich viel verdanken de Nische Wissenschaft, Kunst und Technik ebenso wie unser ganzes Wirtschaftsleben unseren jüdischen Mitbürgern! —■ Deutscher jüdischer Religion. Nach unserer Ansicht bestimmt nicht die Abstammung oder die Religion, sondern die gesamte KulturzugehörigkeiL die Nationalität. Deshalb ist der deutsche Jude Deutscher, der französische Franzose, der englische Engländer. Wenn der Zionismus unter den Juden der alten Kulturländer trotzdem Anhängerschaft findet, so beruht das teils ausi einer von verletztem Stolz diktierten Reaktion gegen den Antisemitismus, teils aus einer romantischen Neigung für das alte historische Ideal des gelobten Landes. So ideal solche Beweggründe sein mögen, so leicht sie gerade den Sinn der Jugend gefaugennehmen, so wenig entsprechen sie den Bedürfnissen der großen Masse der jüdischen Bevölkerung Deutschlands. Aber allerdings kann dieser romantisch-religiöse Idealismus — wenn auch nur in bescheidenem Maße — praktischen Kolonisationszielen nutzbar gemacht werden. Anders als mit den deutschen und mit den Juden der WeststaaLen liegt es mit den Ostjuden. Mit wenigen Ausnahmen fühlt sich der Jude in Polen nicht als Pole, der ukrainische nicht als Ukrainer, der rumänische nicht als Rumäne. Ihre Sprache ist nicht die der sie umgebenden Völker, sondern Jiddisch. Der scharfe Nationalitätenunterschied Zwischen den dortigen Juden und den sie umgebenden Völkern hat Zu einer Entrechtung, sozialen Unterdrückung und Verelendung der großen Massen der Ostjudsn geführt, die jeder Beschreibung spottet. Die Wohnungen, dis Unterernährung, die Rechtlosigkeit, die Aussichtslosigkeit in dem Land, wo sie wohnen, rorwärtszukornrnen, sind ebenso groß, wie die ständige Angst vor Judenverfolgungen, Pogromen. Mußten wir sie ja erst in diesen Tagen selbst in dem seit nahezu 90 Jahren zu Oesterreich gehörenden Krakau erleben! Gesetzgebung und Verwaltungspraxis halwN in allen Gebieten Rußlands ebenso wie in Rumänien miteinander gswetteifert, unter den dortigen Juden das Gefühl, im Exil Zu leben, auflommen zu lassen. Und es gehört mehr als Optimismus dazu, anZunehmen, daß mit der politischen Freiheit sich die Assimilation der Juden mit den sie umgebenden Völkern des Ostens in absehbarer Zeit vollziehen konnte. Daß der Gedanke an dis Zurückführung in das gelobte Land die Gemüter der Ostjuden stark beherrscht, :ft demnach durchaus begreiflich. Die Sehnsucht, in bessere Verhältnisse zu kommen, und damit die Auswanderung, ist groß. Bisher richtete sie sich vorzugsweise nach Nordamerika. Wenn mau einen Teil dieses Auswandererstroms nach Palästina lenken könnte, so würde das nach den verschiedensten Richtungen sehr erwünscht sein.— Nach der Eroberung Jerusalems durch die Engländer haben diese mit der ihnen eigentümlichen Geschicklichkeit der Welt das Zukunftsbild eines unabhängigen jüdischen Nationalstaates Palästina in Aussicht gestellt. In Wirklichkeit liegt ihnen nur daran, den Indischen Ozean zu einem geschlossenen englischen See zu machen, die Brücke von Aegypten über Palästina, Mesopotamien, Persien und Afghanistan nach Indien zu schlagen. Palästina würde als sogenannter jüdischer Staat nur eine englische Kolonie sein. Die Ostjudsn, ebenso wie die deutschen, haben ein starkes Interesse daran, daß dieser englische Plan mißlingt, daß England nicht die Früchte der langjährigen Arbeit deutsch-jüdischer KulLurpioniere einheimse. Nachdem aber die Engländer mit diesem Klan die Sympathien der Juden