Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1918-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1918) · p. 298

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1918)
Article
Pro Palästina
Date
1918-07-01
Page
298 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316876-2316883-2354286--28804-2354399
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

298 Im deutschen Reich aller Länder Zu erringen bestrebt sind, ist es nicht mehr eins einfeitige Aufgabe der deutschen Juden, sondern s§ wird eins deutsche Aufgabe, dis jüdischen Bestrebungen, das Land ihrer Väter zu einer jüdischen Kolonie zu machen, tatkräftig zu unterstützen. Das kann von uns selbstverständlich nur im vollen Einverständnis mit den türkischen Behörden geschehen, ebenso wie das mit den früheren jüdischen Vnstsdlungen in Palästina der Fall war. Dis große Masse der Juden wird nach wie vor in den Gebieten ölsibeu, wo ihre Wiege gestanden hat. Die Forderung der Kultur ist, sie überall Zu gleichberechtigten Staatsbürgern zu machen, dafür Sorge zu tragen, daß sie auch gssellschaftlich nicht hinter den Leuten anderer Abstammung ZurückstehenR Dis hier vertretenen Anschauungen, die Geh. Rat Dr. Eugen Fuchs bereits in hem Aufsatz „Die Einheitsfront (2. Die Palästmafrage)" im Februarheft unserer Zeitschrift in ähnlicher Weife dargelegt hat, kann auch der CentraLvereirr deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens billigen, und unter dem gleichen Vorbehalt, den Aög. Gothein in jener Berliner Versammlung gemacht hat, stehen auch wir den Bestrebungen des Komitees „Pro Palästina" wohlwollend gegenüber. Wie der Centralverein mit den Zionisten überall, wo gemeinsame Ziels zu. erreichen Zufammenzuarbeiten bereit ist, ungeachtet der grundsätzlichen rchiedenheiten ihrer Programms, ist in dem Aufsatz: „Glaube und Heimat"' (Im deutschen Reich 1917, S. 888) des näheren ausgeführt. Zrrderr in LsrrdwrrßschafL rmd GLrtrrerei. Wir haben in den letzten Tagen Zwei Zuschriften erhalten, die sich mit der vielöesprOcherwn Frage der Landwirtschaft als eines neu zu^ergreifenden Berufes für die Juden beschäftigen. Beide Verfasser sind Anhänger des Gedankens, daß sich die jüdische Jugend auch der Landwirtschaft zuwende, beide aber kommen, in der Begründung unabhängig voneinander, übereinstimmend zu dem Schluß, daß die Juden sich zunächst der Gärtnerei als einer Zwi'schenst-atwn zur Landwirtschaft zuwenden sollten. Herr Rechtsanwalt Dr. Michaeli s- Hamm i. SB. schreibt uns: „Darüber sind wir alle einig, die der Gedanke an die künftige Entwicklung unserer GlaubensgemeinschafL mit Sorge erfüll!: wenn es gelange, jüdische junge Leute in größerer Zahl der Landwirtschaft zuzuisühren, so wäre das ein schwer zu überschauender Gewinn. Wie aber mag es ' kommen, daß allen dahin gerichteten Bestrebungen bisher st dürftige Erfolge öeschieden waren? Man hört doch nicht erst seit heute und gestern davon.' Jüdische Zeitschriften haben nicht nachgelassen, die Landwirtschaft als Beruf eindringlich zu empfehlen. Mir scheint, man mnerschätzft die Schwierigkeiten, die eine praktische Durchführung hindern, und man sucht die Schwierigkeiten an Unrechter Stelle. Es hat'wenig Zweck, das Problem, wie die deutschen Juden zum Ackerbau zu erziehen seien, immer wieder in mehr oder weniger neuer Form literarisch Zu behandeln. Unser jüdischer Nachwuchs, der in Frage kommt, läßt es'keineswegs an Eignung und gutem Willen fehlen. Aber wo sind die Wege, die zum Ziele führen? 'Wer sich einmal in praxi mit der Frage beschäftigt hat, wird, fürchte ich, in seinem Glauben an die agrarische Zukunft der deutschen Juden schwankend werden. Meine eigenen Erfahrungen wenigstens find .kaum ermutigend.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.