Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Article
- Pro Palästina
- Date
- 1918-07-01
- Page
- 296 (sequence 2)
- Language
- German
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296 Irn deutschen Reich Mal davon, daß dieses neue Komitee es als seine Ausgabe bsLracht „den Zionismus im Rahmen der deutschen Orientpolitik zu fördern' Dies war zum mindesten schief ausgedrückt und wirkte demgemäß verwirrend- Man hätte allenfalls die Worte umstellen und sagen können: „die deutsche OrientpoliLik im Rahmen (der berechtigten Bestrebungen) des Zionismus Zu fördern". Wäre die erste Definition Zutreffend, so würde der"Ziom,Hrrms unter den zum größten Teile christlichen Mitgliedern des Komitees überraschende und seltsame Freunde gefunden haben. Daß jedoch unsere Auffassung die riw',?! ist, ging cm§ der ersten Versammlung hervor, die das neugegründets Komitee in Berlin im „Kaistrhof" abhielt. Exzellenz Raschdau erklärte nach einem Zeitungsbericht lediglich, daß auf unserem Auswärtigen Amt niemals eine Abneigung gegen den Plan einer jüdischen Besiedlung Palästinas bestanden habe; wenn die deutsche Regierung erst spät hierzu Stellung genommen habe, so sei die noch vor kurzenablehnende Haltung der uns verbündeten Türkei hierfür bestimmend gewesen. Prof. Dr, Vallod bejahte in seiner Ansprache die Fragen, ob ein Bedürfnis vorliege, Palästina den Juden zu erschließen, und ob das Land auch in der Lage sei, größere Einwanderermassen aufzunehmen. Nach einer gewissen Zeit erfolgreicher kolonisatorischer Arbeit dürften nach seiner Auffassung etwa sechs Millionen Menschen dort ihre Ernährung finden können. Abg. Cohen-Reuß schilderte Wesen und Bedeutung des Zionismus und behandelte dann besonders eingehend die wirtschaftlich-politische Seite der Besiedlung Palästinas durch die Juden. — In der Aussprache machte Abg. Gothein für sich und seine Reichstagskollegen JunL, Noske und Fehrenbach, die, wie oben erwähnt, sämtlich der siebenkopfigen Leitung des Komitees angehören, den Vorbehalt, daß sie die Bestrebungen der Pro Palästina-Bewegung nicht aus dem Beweggrund unterstützen, die man unter der Bezeichnung Zionismus zusammenfasse, sondern vor allem aus der Ueberzeugung, daß tatsächlich eine jüdische Besiedlung Palästinas von wirLschaftspolinschem Vorteil für die Türkei und damit auch für Deutschland sein konnte- — Nach diesem Redner erklärte Geh. Rat Cleinow, daß er dem Zionismus die ihm zugesprochene politische Bedeutung nicht Zubilligen könne; aber aus rein menschlichen Gründen "seien die Ziele des Zionismus, soweit sie dahin gehendas traurige Los osteuropäischer Juden durch ihre Verpflanzung nach Palästina zu bessern, der Unterstützung wert. Abg. Gothein hat nach jener Versammlung noch einen längeren Aufsatz im „Berliner Tageblatt" vom 12. Mai d. I. „Pro Palästina" veröffentlicht. Seine Ausführungen sind als programmansch und.wie wir anzunehmen Grund haben, für die Leitung des Komitees als verbindlich anzusehen, weshalb wir einen kurzen Auszug veröffentlichen. „Wenn das Ziel der Ansiedlung von Juden in ihrem alten Stammland Palästina sich zu einem Teil mit dem der zionistischen Bewegung deät, wenn naturgemäß auch zahlreiche ausgesprochene Zionisten "dem neugegründeten Verein beigetreteu sind oder beitreten werden, so haben doch die Gründer des Vereins, die sich zudem ganz überwiegend aus