Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-07-01
- Page
- 292 (sequence 6)
- Language
- German
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292 :\m deutschen Reich In der ^.Deutschen Tageszeitung" wurde in der gleichen Zeit der Tod Don 66 Personen gemeldet; davon waren 42 tb v. H. vor dem Feinde gefallen, bezw. an den Strapazen des Feldzuges gestorben. Um dieser Statistik noch ein stärkeres Gewicht Zu geben, erklärt das AntisemiLenLlaLt, daß die im „Berliner Tageblatt" angezeigten Personen nicht alle Juden waren; in den mit dem Eisernen Kreuz geschmückten Todesanzeigen seien sogar im Verhältnis sehr wenig jüdische Namen vertreten. Zum Schluß wird triumphierend gefolgert: Aus dieser Stichprobe geht demnach unzweideutig hervor, daß der jüdische Anteil an Kriegsopfern sehr gering ist. Diese Statistik erschien uns so albern. Laß wir es für unnötig hielten, darauf Zu erwidern. Die „Deutschvölkischen Blätter" schließen aber aus unserem Schweigen, daß ihre Gegenüberstellung jener Todesanzeigen auf uns Lähmend gewirkt Zu haben scheine- So mag denn das Blatt seinerr^Willen haben. Mit statistischen Zahlen kann man die buntesten Dpiele vollführen, selbst mit amtlichen Zahlen; denn Ziffern allein ohne Berücksichtigung der Begleitumstände, der Ursachen usw., geben niemals ein Zutreffendes Bild. Hier handelt es sich gar nur um die Zählung von Todesanzeigen in zwei Blättern in einer beliebig herausgesuchten Woche, von deren Ergebnis Rückschlüsse auf das Ganze zu ziehen, nur der „WissenschastlichkeiL" von Antisemiten Vorbehalten bleibt. Der Statistiker des AntisemitenblatLes ist aber so wenig intelligent, daß er gar nicht merkt, wie sehr das von ihm ausgerechnete Ergebnis für die Juden spricht. Er erzählt, daß nach dem Ergebnis der Todesanzeigen im „Berliner Tageblatt" 41,4 v. H., nach dem Ln der „Deutschen Tageszeitung" 75 v. H. vor dem Feinds gefallen sind. Diese beiden Ziffern sind fettgedruckt, so daß der flüchtige Leser eine allgemein gültige Prozentzah! vermuten muß. Dabei stellen dis Ziffern lediglich das Verhältnis der Kriegstoten zu den Zivilisten jener Woche dar. Will man aus Liesen Ziffern einen Schluß ziehen, so kann es nur der sein, daß es den Lesern der „Deutschen Tageszeitung",also den Landwirten, gesundheitlich außerordentlich gut "geht; denn von ihnen starösn während jener Woche nur 25Pxoz., von den Angehörigen der Kreifs des „Berliner Tageblatt" aber rund 69 Proz. Selbst wenn wir den „Deutschvölkischen Blättern" über die Grenze des Vernünftigen hinaus entgegenkommend und ihnen zugestehen wollen, daß auf „jüdischer Seite" 41,4 Proz. als tot angezeigte Personen vor dem Feind gefallen sind und wenn wir sogar davon noch zwei Drittel als nichtjüdisch abziehen, bleiben immer noch 13— 14 Proz. übrig. Genügt dies den ^Deutschvölkischen Blattern" nicht? Beträgt doch die jüdische Einwohnerzahl im Deutschen Reich nur 1 Proz.! Aber die ganze Berechnung nach Prozenten ist in diesem Fall blühender Unsinn. Halten wir uns einfach an die nackte Zahl der Kriegstodesfällei Es sind, nach der Berechnung der „Deutschvölkischen Blätter", von den inserierenden Familien des „Berliner Tageblatt" 41, von denen der „Deutschen Tageszeitung" 42 Männer vor dem Feind gefallen özw. an den Strapazen des Feldzuges gestorben, also auf beiden Seiten fast die gleiche Zahl. Will man abermals hieraus