Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-07-01
- Page
- 291 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau 291 man ihn fragen, feit warm e§ Sitte bei Literarhistorikern ist, sich auf solches 'Beweismaterial zu stützen. Sollte er den Irrtum über Reinhard- Goering etwa auf seinen Gewährsmann, den „genauen Kenner'', abschreöen, so darf man ihn weiter fragen, ob er als Literarhistoriker, wenn er in seinen Monatsblättern über einen Dichter schreiben will, nicht die verdammte Pflicht und Schuldigkeit hat, zunächst das Werk selber zu lesen, anstatt sich von einem anderen etwas über „die jüdische Sprachmelodie" ansbinden zu lasten und dies für seine „wissenschaftlichen" antisemitischen Zwecks zu benutzen. Selbst der kleinste Zsitungsrezensent wird sich hüten, über etwas kritisch zu schreiben, das er nicht kennt. Wenn Bartels schon in so erschreckender Weise oberflächlich und unzuverlässig ist, so rann man sich vorstellen, welcher Art der nngenanNts „genaue Kenner" ist, auf den er sich beruft. So rote es Farbenblinde gibt, gibt es Personen, die taub gegen die Abstufungen und Klangschattirungm der deutschen Sprache find. Gerade Goerings „Seeschlacht" weist jenen herben Rhythmus, jene kraftvoll geformte, spröde gestaltete Sprache auf, dis mau gewöhnlich als „germanisch" bezeichnet Hier wird daraus eine „jüdische Sprachmelodie". Der Antisemit und Literarhistoriker Bartels ist längst gerichtet. Seine neuesten Leistungen können die Verurteilung nicht rückgängig machen. Und so wird es Herrn Bartels weiter überlassen öleiben müssen, sich selber zu loben und selber feine Wiffenschüstlichkeit als einwandfrei in die Welt zu rufen. Auch dis „Deutschvölkifchen Blätter" (Nr. 19 vom 10 Mai 1918) haben sich auf das bei Dilettanten sehr beliebte Gebiet der Statistik begeben, um mit zahlenmäßigen Beweisen den Behauptung entgegenzutreten, „daß auch die Inden auf der Schlachtfeldern bluten und gleiche Anteils an den Todesopfern wie die andere Bevölkerung tragen". Einen gewissen Anhalt — so meint das Blatt — dürsten wohl die Todesanzeigen in den Zeitungen bieten. Die „Deutschvölkifchen Blätter" haben sich deshalb das „Berliner Tageblatt" und die „Deutsche Tageszeitung" als typische Vertreter zweier entgegengesetzter Volksschichten vorgenommen und die Todesanzeigen der Woche vom 21.—27. April zusammengestellt, „um zu sehen, aus welchen Kreisen die meisten Todesopfer gestellt werden". Berücksichtigt hat das Blatt nur Familienanzeigen; Nachrufe von Firmen und Regimentern sind außer Betracht geblieben. Das Ergebnis der Zählung ist wortgetreu folgendes: Im „Berliner Tageblatt" wurde in der Zeit vom 21.—27. April der Tod von 99 Personen angezeigt; davon waren 41 41,4 t>. H. vor dem Feinde gefallen, bezw. an dm Strapazen des Feldzuges gestorben.