Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Article
- Deutschtum und Christentum
- Date
- 1918-07-01
- Page
- 281 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutschtum und Christentum 881 werden, soll! Ist es denn nicht selbstverständlich, daß, wenn jemand um seines Glaubens, seines Vaterlandes, seiner Stammeszugehörigkeit und seines Berufes wegen leidet, daß dann die Glaubensgenossen, Volksgenossen, Stammes- und Berufsgenossen ein ganz besonderes Interesse an dem Schicksal des Unglücklichen nehmen? Ich empfehle Herrn Binder, den Artikel „Gemeinbürgschaft" von Prof. Or. Oppenheimer in dem Aprilheft unserer Zeitschrift zu lesen. — Hat Herr Binder niemals für die Mitbürger seiner Vaterstadt, seiner HeimaLyrovLnz, für seine Berufsgenossen stärker empfunden als für andere Deutsche, mit denen ihn besondere Bande nicht verbunden haben? 4. Prof. Binder meint, das Gefühl der Zusammengehörigkeit verhindere die Juden, in den Nationen, bei denen sie wohnen, aufzugehen. — Verhindert es denn die Katholiken, in der Umwelt aufzugehen? Und wie kommt Binder nur auf den Gedanken, anzunehmen, daß die Treue zur Religion von der Nation ausschließe? Wir deutschen Juden haben gerade soviel Veranlassung, uns mit unseren christlichen Mitbürgern zu assimilieren, wie diese mit uns. Wir wollen beide aufgeheu in einem immer höheren Menschentypus. Daß aber der Typus des alldeutschen Antisemiten eine höhere Blüte der Kultur und der Menschlichkeit ist als der Typus des deutschen Juden, und daß wir eine größere Veranlassung haben, uns mit ihnen zu Essimilieren als sie mit uns, 'kann ich nicht anerkennen. 5. Binder will uns die Palme des Deutschtums erst zuerkennen, wenn wir unsere gemeinsame Sprache und unser jüdisches Solidaritätsgefühl ansgrben. Ich spreche nicht Hebräisch, sondern Deutsch und glaube, es ebenso zu sprechen und zu schreiben wie Prof. Binder. Das Mitgefühl für einen fremden Juden kann ich mir nicht aus dem Herzen reißen, so wenig ich mir das Mitgefühl für meine schlesischen Landsleute, meine Fakultätsgenossen, die Anwälte insonderheit, aus dem Herzen reißen kann, die mir nähersiehen, als diejenigen Volksgenossen, mit denen mich die Gleichheit des Stammes und des Berufes nicht verbindet. Ganz, d. h. restlos in der modernen deutschen Kulturgemeinschast (!) aufzugehen, Habs ich ebensowenig Veranlassung, wie die sonstigen StaMMesgenossen ihre Stammesart - auszugeben haben. Bei der Begründung des Verbandes der deutschen Juden habe ich gesagt, daß wir dis Erben einer großen Vergangenheit sind, die es uns verbietet, restlos, d. h. unter Verleugnung der Väter und unter Preisgabe ihrer Traditionen in der Mitwelt aufzugehen, weil wahrer Menschenadel der Väter gern gedenkt und die Treue als das Höchste erachtet. Das Wort des Kaisers: „Seid treu -und stolz in der Eigenart", kann ich immer nur wiederholen. Wenn man nur durch Opfer von Glauben und Treue ein Deutscher werden könnte, dann würde ich aus mein