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Im deutschen Reich · 1918-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1918) · p. 280

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1918)
Article
Deutschtum und Christentum
Date
1918-07-01
Page
280 (sequence 7)
Language
German
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280 Im deutschen Reich auch auf unsere Stammeseigenart beziehen können. Wir können stolz sein, nicht, weil wir uns als auserlesenes Volk betrachten, sondern weil wir die Erben der ältesten Kultur sind, weil „das Judenvolk es ist, das seit den Propheten den großen ethischen Ton in das Menschheitskonzert gebracht, und weil das große tragische Pathos, das die natürliche Welt versittlichen will, doch am Ende aus Juda stammt und erst von dorther in das Christentum übergegangen ist." HI. Mit diesen Worten Sombarts könnte ich schließen. Ich möchte zu den einzelnen Sätzen Binders nur noch ein paar kurze Bemerkungen hinzufügen: 1. Nicht wir deutschen Juden verwechseln Nationalität und Staatsbürgertum, sondern Binder verwechselt Christentum und Deutschtum, Glaube und Heimat, Nation und Religion, wenn er meint, daß die Juden nicht zur deutschen Nation gerechnet werden können, mit Rücksicht auf die Verschiedenheit, der Religion. So wenig das Christentum deutsch ist, so wenig ist das Deutschtum christlich. In dem Deutschtum ist christlich-jüdische und hellenische Kultur vereint. Wir deutschen Juden und insbesondere wir Centralvereinler wollen nicht bloß deutsche Staatsbürger, sondern deutsche Volksgenossen sein, die deutsch denken und fühlen, und wir sind es. Ich bitte Herrn Binder, meinen Artikel „Glaube und Heimat" und unsere Auseinandersetzung mit den Zionisten („I. d. R." 1917, 338; 1913, 224) zu lesen. So wie es Christen gibt, die nicht deutsch sind, so gibt es auch Deutsche, die nicht Christen sind, und die vom Christentum nichts wissen wollen. Weiß Binder nicht, daß gerade unsere Allerteutschesten, unsere Antisemiten in Reinkultur, das Christentum perhorreszieren, weil es jüdisch sei, und daß sie sich darum von dem Nazarener zu Thor und Wotan abkehren, so lese er das kleine Schriftchen: „Hammer oder Kreuz? Eine Abwehr alldeutscher Denkart im Namen des deutschen Christentums" von Lic. Dr. Karl Auer, Pfarrer in Charlottenburg, das die Hobohmsche Volksaufklärung veröffentlicht hat. 2. Gewiß trennt die Religion die deutschen Juden von den deutschen Christen. Aber das ist keine nationale Trennung. Und gewiß verbindet sie die deutschen Juden mit den französischen und russischen Juden,- aber das ist keine nationale Verbindung. Die Dinge liegen bei den Katholiken und Protestanten nicht anders wie bei den Juden. Die Religion trennt die deutschen Katholiken von den deutschen Protestanten und sie verbindet die deutschen Katholiken mir den französischen Katholiken; aber daraus folgt nichts für die nationale Differenzierung der Katholiken von den Protestanten und Juden. 3. Wenn Prof. Binder meint, daß nicht nur das Gefühl der Menschlichkeit die deutschen Juden für Dreyfus und für die aus Deutschland ausgewiesenen Juden Partei zu ergreifen veranlaßt hätte, so ist gar nicht zu verstehen, was damit bewiesen

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