Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1918)
- Article
- Deutschtum und Christentum
- Date
- 1918-07-01
- Page
- 278 (sequence 5)
- Language
- German
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278 Im deutschen Reich christlichen, obwohl es bloße Christen nicht gibt. Dann aber kann man die Konfession eines Volkes nicht nach der absoluten oder relativen Majorität der Volksgenossen bestimmen. Wenn von Treitschke sagt, daß das Judentum nicht so deutsch ist wie das Christentum, das Christentum deutscher als das Judentum, so versündigt er sich an den Gesetzen der'Logik. Was er sagt, sind Begriffe, die für den schlichten Menschenverstand unfaßbar sind. Sind etwa die Christen in Frankreich französischer, in England englischer und in der Türkei türkischer als die Juden, und wie sind sie in den volkergemischten Staaten, in der Schweiz und in Oesterreich? Ist dort das Christentum schweizerischer und österreichischer? Will von Treitschke sagen, daß es ein Vorrecht der Christen sei v aterlän bischer zu sein als die Juden, so würde er sich an der Wahrheit versündigen; denn das Judentum gebietet seinen Bekennern, den König zu lieben und zu segnen, das Vaterland zu lieben und ihm in Treue anzuhängen. Daß es aus der Welt nichts Unchristlicheres als den christlichen Staat gibt, haben nicht Juden, sondern überzeugte Christen gesagt. Wenn von Treitschke sagt, daß die Deutschen an der Entwicklung des Judentums keinen Anteil genommen haben, so ist das unrichtig. Unsere jüdischen Theologen und ReligionsphilosOphen sind Von deutschem Geist und deutscher Kultur nicht unbeeinflußt geblieben. Wenn von Treitschke meint, daß die Ideen des Judentums aus den Staat und die Gesittung keinen Einfluß geübt haben und die Einschränkung macht, soweit sie nicht in das Christentum üdergegaugen sind, so versündigt er sich an der Gerechtigkeit. Seine Beweisführung ist unehrlich, weil sie die Kernfrage umgeht, ob nicht die Ideen, die in das Christentum übergegangen sind, die unzerstörbaren wesentlichen Grundlagen der - heutigen Gesittung und Kultur sind, und weil noch zu erweisen ist, ob die Ideen, die die Eigenart der jüdischen Religion gegenüber der christlichen ausmachen, insbesondere die Idee der Versöhnung, der allzeit reinen Menschonseele, die aus sich heraus der Gottesanade teilhaftig wird, minderwertig sind gegenüber der Idee der Erbsünde und der Gottesmittlerschast, und ob die jüdischen Grundsätze, die in das Christentum nicht üöergegangen sind, eine Versagung der Gleichberechtigung rechtfertigen. Wenn von Treitschke uns rät, rückhaltlos Deutsche zu sein, so ist das weiter nichts wie der saubere Ausdruck für die perfide Taufe, und wer uns dazu, rar, der versündigt sich an der Ethik unserer größten deutschen Geistesheroen, an dem Gedanken Goethes, daß ein jeder, der die Religion wechselt, mit einer Art von Makel bespritzt wird, von der es unmöglich scheint, ihn zu reinigen. 2. Fast 5 Jahre nach Treitschke bat unser großer Philosoph Eduard v. Hart mann eine Schrift über die Juderrfrage veröffentlicht. Ich habe über sie u. a. O. folgendes gesagt: „v. Hartmann betrachtet die Christen als das Wirtsvolk, die Juden als Fremde, die die ihnen obliegende Gegenleistung, ihr Stammesgefühl und ihre absonderlichen Religionsgeb erfüllt haben. Im Uebertritt zum Christ mit dem Wirtsvolk betrachtet er die ihn „Im großen und ganzen macht die (T Nichtchristen ebenso unmöglich, mit II überzutreten, wie die unlösbare Vera und Sittengesetz es jedem Nichtjuden unmvgacy macht, zum Judentum überzutreten. Der liebertritt zum Christentum würde die Judensrage nicht aus der Welt schaffen, wohl aber die Lösung wesentlich fördern, wenn sich eben die Juden entschließen könnten, gegen ihre Ueöerzeuguna sich Zum Christentum zu bekennen. Weil aber bei demcbe aufzugeben, noch nicht und in der Vermischung egende Mi-cht. Er sagt: gie es jedem gebildeten mng zum Christentum von Zeremonie lgesetz