Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-06-01
- Page
- 249 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau 24S gegen den Fürsten Bismarck und gegen das Kartell arbeitete, das bewies sein am 5. September 1895 vom" „Vorwärts" veröffentlichter Brief an einen „sehr bekannten Führer der konservativen Partei". Der Empfänger war der Abgeordnete Frhr. v. Hammer st e i n , dessen Freund unb Seelsorger Stöcker war. Der Brief war am 14. August 1888, also Zwei Monate nach dem Tode Kaiser Friedrichs geschrieben. Sein Zweck ging dahin, möglichste Vorsicht in der Behandlung des Kaisers zu empfehlen. Vornehmlich sollte eine Gegenüberstellung des Kaisers und des Fürsten Bismarck jetzt, da der Fürst den Kaiser ganz für das Kartell gewonnen habe, vermieden werden, denn dadurch treibe man den Kaiser erst recht auf die KanZlerseite und verliere so das Spiel. Die Kernstelle lautete wörtlich: „Man muß rings um das Kartell Scheiterhaufen anzünden unh sie hell auflodern lassen, den herrschenden Opportunismus in die Flammen werfen und dadurch die Lage beleuchten. Merkt der Kaiser, daß mau Zwietracht zwischen ihm und Bismarck säen will, so stößt man ihn zurück. Nährt man in Dingen, wo er instinktiv aus unserer Seite stehst seine Unzufriedenheit, so stärkt mau ihn prinzipiell, ohne persönlich zu reizen." Genau nach diesem Rat handelte Frhr. v. Hammerstein in der Kreuzzeitung zuerst bis zum Herbst 1889, d. h. so lange, als sich noch kein innerer Gegensatz Zwischen dem jungen Kaiser und dem alten Kanzler Zeigte. . . Gegen Ende September 1889 wurde in mehreren Artikeln der Kreuzzeitung das alte historische Banner des wahren konservativen Royalismus entrollt und gegen den „Kartell-Götzendienst" mit der Behauptung Sturm gelaufen, daß man sich nicht scheue, dem Königlichen Herrn Fingerzeige zu geben, ihm nahezulegen, wie er regieren solle, und ihm eine ParlamentsmehrheiL zu oktroyieren. Damit war die Taktik des ScheiterhaufenörieseZ aufaegeöen. Im Lager der Kreuzzeitung schien man Gewißheit darüber zu haben, daß die Kanzlerschaft des Fürsten Bismarck bald zu Ende gehen würde. . . Die Tage des Kartells waren sowieso gezählt. Bei den Wahlen im Februar 1890 verloren die Kartellparteien insgesamt 85 Sitze, und mit dem Weggang Bismarcks war es auch mit der regierungsfreundlichen Mehrheit innerhalb der konservativen Partei vorbei. Herr w Helldsrf legte den Vorsitz im Ausschuß der Partei nieder. Stöcker und Hammerstein bekamen die Oberhand. Jener war im Herbst 1890 von seinem Hofpredigeramt zurückgetreten und widmete sich fortan mit seiner Gabe, die Herzen der armen Leute warm zu machen, ganz der christlich-sozialen Parteidieser fuhr mit der ganzen Rücksichtslosigkeit seiner starkneroiaon Natur fort, „die domokratrsche Methode der Erregung von Trotz, Unzufriedenheit und Mißtrauen gegen die Regierung und der It m f ch m e idjef u n g der Leidenschaften utib der Begehrlichkeit" (Worte des Reichsboten) anzuwenden und hemm, zugleich, mit fremdem Gelbe Papier- und Häusergeschäfte zu eigenem Vorteil zu machen. Besiegelt wurde der Sieg der extremen Richtung durch Beschlüsie nnb mehr noch durch die Reden des Parteitages au? Tivoli in Berlin im Dezember 1892. Der Versammlung waren 14 Zusätze zu dem alten Programm vorgeschlageu worden, deren wichtigste verlangten: Kamps gegen den sich vielfach vordrängenben und zersetzenden jüdischen Einfluß, jedoch unter Mißbilligung der Ausschreitungen des Antisemitismus, Kampf für die Monarchie von Gottes Gnaden gegen parlamentarisches Regiment, Kamps mit den Machtmitteln der Staatsgewalt gegen die vaterlandslose Sozialdemokratie und ihre Kennzeichnung als Feinde der staatlichen Ordnung in Gesetzen« Die Versammlung strich aus dem Entwürfe die