Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1918-06-01 · Heft 6 (Juni 1918) · p. 248

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 6 (Juni 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-06-01
Page
248 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2316602-2316876-2316882--28687-2354229
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

248 Fm deutschen Reich manns über Stöckers Tätigkeit sind gerade jetzt recht willkommen, nicht nin:, weil sie daran erinnern, wie die Konservativen gegen Bismarcks den NaLionalherss, wühlten und intrigierten und den jungen Kaiser von ihm abzusprengen suchten (u. u. auch mit dem recht aktuell anmutenden Hinweis, man wollenem Herrscher eine Parlamentsmehrheit aufoktroyieren) sondern weil sie auch daran erinnern, daß schon damals die Konservativen antisemitische Werbetätigkeit förderten und schließlich sogar in ihrneues Parteiprogramm, das sogenannte Tivoliprogramm von 1892 den judengegnerischen Passus aufnahmen. Der Entwurf hatte den äußersten Schritt nicht tun wollen und ausdrücklich eine Verurteilung der antisemitischen Auswüchse ausgesprochen. Dies wurde bezeichnenderweise mm Parteitag gestrichen und damit, wenn auch indirekt, so doch offiziell anerkannt, daß antisemitische Auswüchse ganz gern gesehen werden, wenn sie den konservativen Zwecken nützen. Wir geben nun Hammann über die damalige Zeit das Wort: „Der Hof- und Domprediger Stöcker fühlte sich nach den Erfolgendie er auf der Kanzel und in Volksversammlungen davongetragen hatte» als Gottesmann berufen, die proletarischen Massen der Großstadt zum positiven Christenglauben zurückzusühren. . . Er fand, daß die evangelische Kirche in Berlin nicht genug Organe habe, um in den unteren Massen zu wirken, und begründete deshalb die Berliner S t a d t m i s s i o n, die wider die das Vaterland und den Staat bedrohenden Tendenzen neben der materiellen die geistliche Versorgung betreiben sollte. Unter diesen Tendenzen wurden nicht nur die Bestrebungen der Sozialdemokratie, sondern auch die liberale Theologie Ritschls, die das. Berliner Stadtparlament beherrschende Fortschrittspartei und nicht zuletzt die Börse und das Judentum verstanden. Von vornherein war also der religiösen HilfstätigkeiL der Stadtmission reichlich viel Politik beigemischt. Am 28. November 1887 hielt Stöcker beim Grasen Walde r s e e eine Versammlung ab, an der Prinz Wilhelm (der jetzige Kaiser. Die Schriftleitung) und Gemahlin, die Minister von Puttkarner und v. Goßler, der Präsident des Reichstages v. Wedell-Piesdorf, Abgeordnete der Rechten, Geistliche und Finanzlente teilnahmen. Prinz Wilhelm sprach sich nach dem Vortrag Stöckers freundlich über den christlich-sozialen Gedanken aus. Weitere Matineen beim Grafen Walder-- jee folgten nach. Der' Kanzler Fürst Bismarck schöpfte Verdacht, daß sich eine orthodox-junkerliche Koterie des künftigen Thronerben bemächtigen und der Kanellpolitik ein Ende machen wollte. Allgemein war bekannt, daß die extreme Rechte, die sogenannte Kreuzzeitungs- Partei, nur widerwillig mit der von dem Abgeordneten v. Helldorf geführten regierungsfreundlichen Mehrheil der Konservativen in das Kartell mit den Mittelparteien eingetreten war. In dem Kanzlerblart erschienen scharfe Artikel gegen die politische Tätigkeit des Hofpredigers Stöcker. Kaiser Friedrich wünschte die Entfernung Stöckers aus seinen geistlichen Aemtern als Hof- und Domprediger. Auf Antrag des Fürsten Bismarck wurde in einem Kronrat in CharlotLe-nöurg beschlossen, Stöcker vor die Wahl zu stellen, ob er ans seine AemLer oder auf feine öffentliche Agitation in Volksversammlungen verzichten wolle. Stöcker wählte den Verzicht auf die Agitation. Wie er jedoch im geheimen weiter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.