Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1918)
- Article
- Hermann Cohen als Jude
- Date
- 1918-06-01
- Page
- 243 (sequence 11)
- Language
- German
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Wilhelm von Humboldt und seine Beziehungen zu den Juden 243 Menschheit wäre, lasse ich mir nicht ausreden; die Juden in ihrer Gesunkenheit, ihrem Schachergeist, ihrem angeborenen Mangel an Mut, der von diesem Schachergeist herrührt, sind ein Flecken der Menschheit." Darauf antwortet Hu m & o I b t cnn 9. April 1816: „Deine Tirade über die Juden, teure Seele, ist göttlich... Wer auf die Juden zurückzukommen, so wäre allerdings, ohne das aufzuheben, was ich immer für gut halte, daß man ihnen bürgerliche Rechts gibt, viel zu tun, was man versäumt. Warum z. B. leidet man das Loskaufen? Warum schlägt man nicht Mittel vor, andere Gewerbe unter ihnen zu befördern? Hauser mögen sie wohl besitzen, Güter sehr wenig bis jetzt. Jtzenplitz neulich hier konnte mir nur" einen Fall nennen." — ' Tatsächlich war die Beteiligung jüdischer Freiwilliger am Befreiungskriege sehr groß. Wir besitzen dafür u. a. ein gewiß einwandfreies Zeugnis des Staatskanzlcrs von Hardenberg, der am 4. Januar 1815 schrieb: „Die jungen Männer jüdischen Glaubens find die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes und der rühmlichen Verachtung der Todesgefahren auszuweisen. Buch die Frauen haben sich in Opfern jeder Art den Christen angeschlossen." Nach Beendigung des Krieges erhielt Humboldt als Anerkennung für die dem Staate geleisteten großen Dienste als Dotation die Herrschaft Ottmachau in Schlesien. Auf Hardenbergs Betreiben, der Humboldts steigendes Ansehen eifersüchtig verfolgte, wurde er als Gesandter nach London versetzt. Hardenberg empfand die Anwesenheit des einflußreichen, liberalen Humboldt jetzt in Berlin um so unangenehmer, als er mit der Ausarbeitung der Konstitution beschäftigt war und^mehr und mehr in das r e a k t i o n ä r e F a h r - Wasser geriet. Er soll auch in seinem Verdachte bestärkt worden sein, Humboldt strebe nach feinem, des Staatskanzlers Posten, wovon tatsächlich nie die Rede gewesen ist. Nach Ablauf eines Jahres verlangte Humboldt seine Abberufung aus London. Es kam zu Differenzen'mit Hardenberg, der nun Friedrich Wilhelm III. dazu brachte, Humboldts Entlassung aus dem Staatsdienst zu verfügen. Mit großer Erbitterung wurde sie im Volke ausgenommen, hatten doch bie Besten der Nation ihre ganze Hoffnung auf Humboldt gesetzt. Am meisten enttäuscht waren natürlich die Juden. Friedrich Wilhelm III., der am 11. März 1812 ihre Gleichstellung in Preußen als Gesetz erlassen hatte, hob es einfach wieder auf. Den jüdischen Soldaten, die im Befreiungskriege ihr Mut vergossen hatten, wurde die Pension entzogen. Von Staatsanstellungen der Juden war nun keine Rede mehr. Nicht einmal als Feldmesser oder Apotheker wurden sie zugelassen. Die versprochene Gleichstellung in den neuerworbenen Provinzen wurde ebenfalls verschoben. Ganz besonders schlimm gestellt wurden die Juden der Provinz Posen. Ein Haus von einem Christen zu erwerben, wurde ihnen verboten. "Sie durften weder auf dem Lande wohnen, noch konnten sie kaufmännische Rechte erwerben. Bon einer Provinz in die andere überzusiedeln, war einem Juden nicht ohne weiteres erlaubt. Während früher die