Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1918)
- Article
- Hermann Cohen als Jude
- Date
- 1918-06-01
- Page
- 244 (sequence 12)
- Language
- German
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3m deutschen Reich 244 Regierung ein Wohlgefallen daran zeigte, wenn die Juden sich verdeutschten und den Lebeusgewohnheiten ihrer MitbürgeranpatzLen, weil, wie eß hieß, dies „die löbliche Tendenz verriete, allgemeine Landessitten anzunchmen", verbot sie aus einmal den Juden, christliche Namen zu führen oder häßlich klingende, die sie dem Spott Preisgaben, in schönere zu verwandeln. Mit Humboldts Entlassung hatte sich der freiheitliche Wind in Preußen gedreht. Hardenberg, der früher immer sehr wohlwollend gegen die Juden gewesen war, verband sich mit Männern der Reaktion. Humboldt schreibt entrüstet seiner Frau: „Er Zerstört in den letzten Jahren seines Lebens einen großen Teil seines früher so wohlverdienten Ruhmes." Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst war Humboldts ruhmvolle politische Laufbahn am 31. Dezember 1819 abgeschlossen. Wissenschaftliche Arbeiten und ein ruhiges Zusammenlebenmit seiner Familie boten ihm nun Entschädigung. Am 26. Mai 1529 starb Caroline von Humboldt, Es war der schwerste Schlag, der Humboldt treffen konnte. Von nun an lebte er ganz der Erinnerung an seine Frau. Sein Leben galt ihm als abgeschlossen. Er selbst folgte ihr -am 8. April .1835. In der märkischen Heimat, mitten im stillen Parke von Tegel, hatten sie sich die Grabstätte bereitet, die harmonisch den Abschluß ihres edlen Lebens bildet. Als im Jahre 1884, im Beisein der damals noch lebenden greisen Tochter Gabriele von Bulow, vor der Berliner Universität die bekannten Denkmäler Wilhelms und Alexanders von Humboldt enthüllt wurden, da hätten auch die deutschen Juden dem großen Staatsmann und edlen M-enschenfreund Wilhelm von Humboldt einen Lorbeerkranz unauslöschlichen Dankes darbringen dürfen. -4 Auch nachträglich ist der Landtagsabg. Wilhelm Heins von den konservativen Blättern wegen seiner sudenhetzerischen Rede nicht getadelt worden. Sie haben es wohl vermieden, ihn. zu loben, aber sich doch nicht zu dem Entschluß ausrasfen können, von einem Hospitanten ihrer Partei abzurückeu. Fast wären wir versucht, zu sagen: um so besser! das schasst Klarheit! — wenn es uns lediglich um Agitationsmaterial zu tun wäre. Aber wir müssen doch aufrichtig unser Bedauern aussprechen, daß die konservative Partei, deren Weltanschauung und deren Existenz im Kampf der geistigen Strömungen und politischen Ziele eine Notwendigkeit ist, die ihrem ganzen Wesen nach nicht auf Demagogie und niedriger Verhetzung ausgebaut sein darf, sich wieder einmal — leider nicht baß erstemal — mit dem Makel befleckt hat, daß unter ihren Fittichen Gassenantisemitismus getrieben wird. Wir sind überzeugt, daß einige Kreise der konservativen Parkest die schon mit Mißbehagen das