Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1918)
- Article
- Hermann Cohen als Jude
- Date
- 1918-06-01
- Page
- 241 (sequence 9)
- Language
- German
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Wilhelm von Humboldt und seine Beziehungen Zu den Juden 24L indigniert, ich habe also an den Justizminisier Kircheiserr geschrieben, doch durch' ein neues Gesetz solche vorurteilsvolle Einrichtung abzuschaffen und hoffe, daß er mir folgen wird. Es sind die letzten Funken meiner Pietät gegen die 5) e r z, die aber auch christlich geworden ist, ALes fällt doch von den alten Göttern ab!"' Als preußischer Vertreter beim Wiener Kongreß hat HunlSoldt auch wieder eifrig für die Juden gewirkt. Er arbeitete einen Berfa's sungsentwurf f ü r Deutschland aus, in welchem den Bekennern der jüdischen Religionsgemeinschaft ziemlich völlige Gleichstellung zuged'acht war. Me christlichen Religionsparteien ollten gleiche Rechte in allen deutschen Staaten genießen, den Be- ::ermeni des jüdischen Glaubens, so hieß es wörtlich, „seien, sofern sie ich der Leistung aller Bürgerpflichten unterziehen wollten, die denelben entsprechenden Bürgerrechte einzuräum-en". Auf Humboldts Veranlassung wurde durch ein besonderes Schreiben den tzansnstäüten ein Mißfallen über die Bedrückungen der Juden ausgesprochen und für die Folge eine menschliche Behandlung gefordert. Von Wien aus schreibt Humboldt am 4. Juni 1815 an seine Frau: „Ein sehr großes Geschenk habe ich gestern ausgeschlagen. Seit dem Anfang des Kongresses suchten die Juden bestimmte bürgerliche Rechte in Deutschland zu erhalten. Ich bin dieser Sache immer geneigt gewesen. Ich weiß zwar, daß Du anders denkst, süßes Herz, aber ich habe viel in verschiedenen Zeiten darüber nach gedacht und bleibe meiner alten Meinung getreu. Es ist überdies eine Jugendidee bei mir; denn Alexander und ich wurden noch, wie wir Kinder waren, für Schutzwehre des Judentums gehalten. Ich ließ michauch hier um so mehr ein, als, da einmal im Preußischen die Juden fast alle Rechts haben, es nun für uns besser ist, daß diese Gesetzgebung allgemein sei/ indem sonst alle Juden zu uns hinströmen. Seit einigen Wochen bemerkte ich, daß die Gönner des Judentums wuchsen, und da Gen. tz an der Spitze stand, so war die Ursache bald klar. Vom Hannoverschen Hardenberg erfuhr ich mit Gewißheit, daß dieser sogar einen schriftlichen Kontrakt gemacht hatte! Mir geschahen indes keine Anträge; aber ein alter Mann aus Prag, dessen Wesen mir ganz gur gefiel, da er nicht zu den neumodischen Juden gehört, kam ein paarmal zu mir und empfahl mir die Angelegenheit. Ich machte nun einen Artikel meiner Ueberzeugung nach; in den jetzigen Konferenzen ward dies eine Hauptdebatte, nicht, daß es nicht wichtigere gäbe, aber weil man über diese wichtigen fast gar nicht diskutieren kann, weil man schon weiß, daß man sonst auseinandersprengt, statt zu verbinden. Metternich, Wessenberg, Hardenberg und ich hielten die Sache wie wir konnten. Rechberg, Darmstadt, Sachsen, die Hansastädte waren vorzüglich dagegen. Es kam in zwei Sitzungen vor. Metternich gab seiner Sitte nach die Sache fast auf; aber ich hielt sie, gab ihr neue Wendungen und machte sie doch unschädlich, so daß ich sie nur aus die künftige Bundesversammlung verwies, aber die schon erworbenen Rechte den Juden erhielt. Es wurde sehr viel von der Sache gesprochen; jeder weiß, daß i ch nur den Artikel gemacht und durchgesetzt habe. Gestern kam nun der alte Mann wieder, dankte mir unendlich und bot mir zum Geschenk drei Ringe, Smaragde mit großen Brillanten besetzt, an mit dem Zusatz, daß, wenn ich sie nicht' wollte, ich über 4000 Dukaten auf seine Kasse disponieren sollte. Ich schlug sie natürlich ebenso wie das Geld aus, und Du kannst Dir die Verwunderung des Mannes gar nicht denken, wie ich ihm ohne alle Affektation und Ziererei sagte, daß, was ich getan, bloß den Juden Zuliebe