Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1918)
- Article
- Hermann Cohen als Jude
- Date
- 1918-06-01
- Page
- 239 (sequence 7)
- Language
- German
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Wilhelm von Humboldt und '-eins Beziehungen zu den Juden 239 nächst Dorothea Seit, Mendelssohn geistreiche Tochter, spätere Frau von Schlegel: dann Rahel L e v i n , nachmalige Frau von Varnhagen, und besonders Henriette Herz, die ebenso schöne wie schöngeistige Tochter des portugiesischen Juden de Lemos, seit ihrem 15. Jahre Gattin des hochangesehenen und begüterten Arztes Dr. Marcus Herz. Um das Jahr 1787 rief Henriette Herz mit gleichgesinnten Freunden und Freundinnen den sogenannten Tugendbund ins Leben, eine Gesellschaft, die stark romantisch angehaucht war, durch das vertrauliche „Du" alle Mitglieder verband und durch große Geheimtuerei dem Bunde einen besonderen Reiz verlieh. Die beiden Humboldts traten als Mitglieder bei. Wilhelm wurde ein glühender Verehrer der schönen Henriette. Ihr zuliebe lernte er sogar Hebräisch, um mit ihr darin zu korrespondieren. Die ersten Kreise Berlins suchten das Herzsche Haus auf: Graf von Dohna, Friedrich von Schlegel, Carl von Laroche. Gentz, Schleiermacher und viele andere. Miraöeau, dem die französischen Inden soviel verdankten, war während einer geheimen diplomatischen Sendung, die ihn nach Berlin führte, oft in diesem Kreise. Prinz Louis Ferdinand, der Neffe Friedrichs des Großen, ist hier ent häufig und gern gesehener Gast gewesen. Wilhelm von Humboldt vernachlässigte bei diesem anregenden Verkehr aber seine Studien nicht. Von 1787—88 studierte er in Frankfurt a. Ö., nachher in Göttingen Rechts- und Staatswiffenschasten, kam später nach Weimar und machte dort die Bekanntschaft von Caroline von Dachroeden, durch deren Vermittlung er in den Schiller-Goetheschen Kreis kam. Am 29. Juni 1791 schloß Humboldt mit Caroline von Dachroeden den Bund fürs Leben. Eine idealere Ehe als diese hat es wohl kaum je gegeben, lieber ihr Leben gibt der schon erwähnte herrliche Briefwechsel der beiden Aufschluß, Dadurch, daß Humboldt in hohen Stellungen, als preußischer Gesandter, Minister und bevollmächtigter Botschafter beim Wiener Kongreß, in diplomatischen Sendungen und auf Studienreisen oft und lange von seiner Familie getrennt war, ist dieser Briefwechsel so reichhaltig geworden. Humboldt spricht sich mit seiner Frau darin über alles und jedes aus. Dies ist um so interessanter, als er mit allen hervorragenden Menschen seinerzeit, in literarischen und künstlerischen Kreisen sowohl wie in politischen, in Berührung kommt. Humboldt wurde nach seinen Reisen durch Frankreich und Spanien in den preußischen Staatsdienst übernommen, ging als Gesandter nach Rom, und stellte sich in der großen Not seines Baterlandes im Jahre 1806 seinem Könige zur Verfügung. Zum Minister für Kultus und Unterricht ernannt, wurde er der eigentliche Gründer der Universität Berlin, die er mit tüchtigen Lehrern und umfassender Lehrfreiheit ausstattete. Ganz besonders bedeutungsvoll war Humboldts Ministerium für die Juden." Der Zusammenbruch Preußens in den Jahren 18007 führte auch für sie einen Wendepunkt herbei. Freiherr vom Stein hatte durch seine Städteordnung die bürgerlichen Gemeinwesen von der bürokratischen Bevormundung befreit. Der Grundsatz, daß jedem Bürger innerhalb der gesetzlichen Schranken gestattet werden müsse, sich frei zu